Beim 1. Mal geht alles viel zu schnell PDF Drucken

Bassist Chris Hold (links) ist nicht zum ersten Mal in einem Tonstudio, dafür fast alle anderen in seiner noch jungen Band Igualdad. Die Möglichkeit bekamen sie durch das „Mujuku“-Projekt der Musikzentrale in Nürnberg. Foto: Horst LinkeJunge Bands können in der Musikzentrale in Nürnberg Erfahrungen im Tonstudio sammeln

 

Junge Amateur-Musiker haben es schwer, auf sich aufmerksam zu machen. Deshalb fördert die Musikzentrale (MuZ) Nürnberg mehrere Bands mit einer kostenlosen Studioaufnahme, einem geduldigen Tontechniker und einem Live-Auftritt im MuZ-Club.

Funkiger Gitarrensound dringt durch die Lautsprecherboxen ins Zimmer. Dumpf wummert der Bass im Hintergrund. Der letzte Akkord. Stille. „Wie klingt das?“, fragt einer der jungen Musiker übers Mikrofon aus dem Aufnahme-Raum nebenan.
„Ihr seid zu schnell. Aber das wird schon“, sagt Christian, der im Tonstudio am Mischpult sitzt und ganz viele leuchtende Balken auf dem Computer-Bildschirm beobachtet. Für ihn Alltag in der Musikzentrale Nürnberg in Gostenhof.

Nicht so für die Band, die zum ersten Mal in einem professionellen Tonstudio steht. „Igualdad“ – das bedeutet Gleichheit – nennen sich Bandleader Chris Hold und seine acht Mitstreiter. Sein Bass, ein Schlagzeug, ein Keyboard und zwei Gitarren liefern den funkigen Sound zu den gesellschaftskritischen Texten von je zwei Sängerinnen und Rappern.
Gerade einmal drei kleinere Auftritte vor Publikum hat die ungewöhnliche Combo seit ihrer Gründung im September 2011 gespielt. Die Mitglieder sind in der Mehrzahl noch Schüler und kennen sich privat schon länger.

Einzig Chris Hold und Keyboarder Elias, der Musik studiert, verfügen über Erfahrung im Tonstudio. Das soll sich ändern. „Wir wollen etwas mitnehmen für die Zukunft“, beschreiben die Sängerinnen Jasmin und Theresa ihre Vorstellungen. Gesangsunterricht nehmen sie schon.

Stadt unterstützt Projekt

Professionelle Aufnahmen aber sind ziemlich teuer und nicht durch ein paar bezahlte Auftritte zu finanzieren. Deshalb sind junge Bands wie Igualdad auf Unterstützung angewiesen.
Die bietet in diesem Fall das „Mujuku“-Musikprojekt, das die Musikzentrale Nürnberg zusammen mit dem städtischen Jugendamt organisiert. „Mujuku“ steht für „Muggenhofer Jugendkulturtage“. So heißt eine Reihe von Veranstaltungen, die in diesem Jahr steigen sollen. „Wir wollen jugendlichen Musikern die Möglichkeit geben, ihre Musik aufzunehmen und in die Studioarbeit hineinzuschnuppern.

Dafür haben wir vor allem an Schulen geworben und uns gezielt an Anfänger gerichtet“, sagt Projektbetreuer Michael Arnold. Er zeigt Verständnis für so manche Startprobleme, wie sie viele Teilnehmer haben. Und trotzdem: „Was dabei herauskommt, begeistert mich immer wieder.“
Umgekehrt kommt das Angebot bei den Jugendlichen gut an. Weil Räume und Geld aber nur begrenzt verfügbar sind, konnten nur zwölf von 20 Interessenten ausgewählt werden. „Von HipHop bis Indie-Rock sind verschiedenste Musikrichtungen vertreten. Auch fortgeschrittene Künstler wie der türkische Sänger Abedin sind dabei“, verrät Arnold.

Je fünf Stunden verbringen die Musiker mit Tonmeister Christian im Studio, bis sie ihren ersten eigenen Song aufgenommen haben. So entsteht wie jedes Jahr eine CD, die auf einem großen Live-Konzert im Mai im MuZ-Club vorgestellt wird.
Als Sprungbrett in die Profikarriere taugt die Veranstaltung kaum. Das wissen auch die Jugendlichen von Igualdad. „Geld ist nicht wichtig. Es geht darum, den nächsten Schritt zu machen und öfter vor mehr Leuten zu spielen“, sagt Philipp Lauterbach.

Genau aus dem Grund stieß er als das neueste Mitglied erst vor wenigen Wochen zur Band – obwohl er gar kein Instrument spielt. „Radio“, wie sie Philipp nennen, soll Kontakte in die lokale Musik-Szene knüpfen, dazu den Transport der — angesichts der Anzahl an Personen nicht zu knappen — Ausrüstung organisieren.
So soll sich Bandleader Chris Hold wieder mehr auf sein Bassspiel konzentrieren können. Wie seine Kollegen ist auch er bei den ersten Aufnahmen schneller als der Rhythmus. Eine halbe Stunde der kostbaren Studio-Zeit ist da schon vorbei.
Chris bleibt trotzdem gelassen: „Spielen wir einfach nochmal“ sagt er und kurz darauf wummert wieder der Bass los.

KEVIN GUDD

Informationen zu den Muggenhofer Jugendkulturtagen findet ihr unter www.jugendkultur-muggenhof.de

 

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