In Frankreich ist das Studieren anders PDF Drucken

altEindrücke von einem gemeinsamen Jura-Studienprogramm der Universitäten in Erlangen und in Rennes

In unserer Reihe „Ausland-Extra“ stellen wir in loser Folge verschiedene Aspekte eines Auslandsaufenthalts während des Studiums vor. Hier als Teil 4 ein konkretes Beispiel: der  Doppelstudiengang Deutsch-Französisches Recht

 

 

Ein">Ein mittlerer Kulturschock ist immer dabei – sowohl bei der Ankunft in der Fremde als auch bei Rückkehr nach Hause. Maike (23) und Johanna (24) aus dem ersten Jahrgang im binationale Studiengang Deutsch-Französisches Recht können ein Lied davon singen.

Die ersten vier Semester fanden in Erlangen statt. Da haben die Teilnehmer nicht nur Jura gebüffelt, sondern auch Französisch, vor allem die juristische Fachsprache. Im 5. Semester ging es dann für eineinhalb Jahre nach Frankreich an die Université de Rennes 1. Dort studieren Erlanger und Franzosen gemeinsam.

„Am Anfang unseres Aufenthaltes in Frankreich war alles ganz neu und ziemlich chaotisch“, erzählt Johanna, „wir mussten uns erst mal reinfinden, zumal das Jurastudium dort ganz anders abläuft.“ Denn anders als bei uns beschäftigen sich französische Studenten an der Uni hauptsächlich mit Theorie – und kaum mit der Lösung von juristischen Fällen. Um das zu lernen, gehen sie nach dem Studium an eine Anwalts- oder eine Richterschule.

„Daher ist das Studium sehr allgemein und geisteswissenschaftlich“, erklärt Johanna, „ich hatte erst gar nicht den Eindruck, dass wir Jura studieren. Wir mussten teilweise nicht mal mit Gesetzestexten arbeiten!“ Stattdessen lernten sie viel über Rechtsgeschichte. Aber auch die Vorlesungen waren ungewohnt. „Der Professor diktiert ständig und wir mussten alles mitschreiben“, berichtet Maike. Von der Uni in Erlangen war sie es gewohnt, dass sie sich Skripte und Vorlesungsunterlagen im Internet runterladen konnte.

„Am Anfang war es auch schwierig, Kontakt zu den französischen Kommilitonen herzustellen“, meint Johanna. Doch da hat das Deutsch-Französische Programm der Universitäten Erlangen und Rennes sehr geholfen.
Denn von Anfang an hatten die Deutschen Unterricht mit den französischen Studenten, die sich für das binationale Programm angemeldet hatten. „Sie haben uns unterstützt und uns auch mal ihre Unterlagen geschickt, als wir noch Probleme mit dem Mitschreiben hatten.“

Maike und Johanna sind sicher, dass ihnen die drei Semester in Rennes sehr viel gebracht haben. „Wir können viel besser Französisch, haben neue Freundschaften geschlossen, und wir sind auch erwachsener und selbstständiger geworden.“

Inzwischen sind die Erlanger zurückgekehrt – und sie haben ihre französischen Kommilitonen für die restlichen drei Semester des Studiums mitgebracht. „Das ist das Besondere am deutsch-französischen Studiengang“, erklärt Martin Herzog, einer der Betreuer des Programms an der Uni in Erlangen. „Die Studierenden verbringen nicht nur ein Jahr im Ausland, wie es in anderen Studiengängen häufig angeboten wird, sondern sie studieren insgesamt drei Jahre gemeinsam mit Studenten des jeweils anderen Landes.“

Der Abschied von Frankreich ist den Erlangern schwer gefallen – vor allem Maike, die einen Freund in Rennes hat. „Ich kann mir gut vorstellen, später in Frankreich zu arbeiten!“, sagt sie, „und dafür, oder um in der EU tätig zu werden, bietet der Studiengang Deutsch-Französisches Recht die optimalen Voraussetzungen.“

Johanna ist froh, wieder daheim zu sein: „ Hier fühle ich mich wohl, hier sind meine Freunde und meine Familie. Natürlich bin ich froh, die Chance in Rennes genutzt zu haben – aber vermisst habe ich Franken schon.“
Den Abschied aus Frankreich hat natürlich die Tatsache erleichtert, dass die französischen Freunde mit nach Deutschland kommen. Es sind die Ersten innerhalb des binationalen Studiengangs.

Pierre (24) aus Rennes ist nun in Erlangen zum Studieren. „Für mich ist der Aufenthalt in Deutschland eine gute Gelegenheit, die deutsche Rechtsordnung kennenzulernen“, meint er. „Und es ist schön, mit den anderen gemeinsam hier zu studieren. Immerhin haben wir jetzt schon fast zwei Jahre zusammen verbracht und sind sehr gut befreundet!“

Auch Anna (21) freut sich, hier zu sein. Ein bisschen Angst hat sie trotzdem: „Am Anfang ist es schon schwer, alles zu verstehen. Aber ich bin neugierig, beide Kulturen richtig miteinander vergleichen zu können.“
Die französischen Studenten können auch jederzeit ihre deutschen Kommilitonen, die bereits mit ihnen in Frankreich studiert haben, um Rat fragen. „Sie haben sogar ein Tutorium für uns veranstaltet, um uns alles zu erklären. Das hat mir sehr weitergeholfen!“, erzählt die Französin Charlotte (22). „Es ist schön, dass wir schon Kontakt zu ihnen hatten. Denn in der normalen Vorlesung ist es oft schwieriger, deutsche Studenten kennenzulernen“, fügt Isabelle (22) hinzu.

Christella (26) zieht ein erstes Fazit: „Das Studium, die Kultur, die Menschen – das ist hier sehr unterschiedlich. Fast alles ist anders! Aber ich finde den Unterricht in Deutschland sogar besser. Hier ist die Uni nicht so theoretisch, wie in Frankreich.“

JENNIFER HERTLEIN

Wenn ihr euch für den Studiengang Deutsch-Französisches Recht interessiert, schaut doch mal auf die Homepage www.dt-frz-recht-erlangen.de
 

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