„Immer und überall dieser Gestank“ PDF Drucken

Veronika inspiziert den kaputten Müllofen. Foto: privatErlanger Studentin organisiert in einer ghanaischen Klinik die Müllentsorgung

 

 „Technik ohne Grenzen“ nennt sich ein Verein, den der Unternehmensberater und VDI-Funktionär Frank Neumann gegründet hat. Ziel des Vereins: mit technischem Wissen Menschen in Entwicklungsländern zu helfen. Vor allem Ingenieur-Studenten bekommen dabei die Möglichkeit, ihre erlernten Kenntnisse sinnvoll einzusetzen.
 

 

„Was einem als erstes auffällt und nicht mehr loslässt, ist der Gestank“, sagt Veronika Birk. Beißender Gestank, überall und rund um die Uhr. Er kommt aus den vielen qualmenden Feuern, in denen die Leute ihren Müll verbrennen. Was besonders stinkt, ist das Plastik, das sie bedenkenlos zusammen mit anderen Abfällen verschüren.

Zwei Wochen lang ist Veronika – zusammen mit dem „Technik ohne Grenzen“-Vorsitzenden Frank Neumann – durch das westafrikanische Land Ghana gereist. Dabei hat sie drei Krankenhäuser besichtigt, zwei Regional-Bischöfe kennengelernt und einen Termin beim deutschen Botschafter in der Hauptstadt Accra bekommen.

Unzählige Müll-Feuer verursachen einen permanenten Gestank. Foto: privat Ein Schwerpunkt des Vereins ist das Thema umweltfreundliche Müllentsorgung in Krankenhäusern. Auf Vermittlung der „German Rotary Volunteer Doctors“, die in Ghana zwölf Krankenhäuser medizinisch betreuen, hat sich Veronika vorgenommen, das Müllproblem des „Holy Family Hospitals“ in der Stadt Techiman, etwa 300 Kilometer nordwestlich von Accra, anzupacken.

Sieben verschiedene Krankenstationen gibt es dort, eine Notaufnahme, ein Labor und eine Apotheke. Und einen Müllofen, der nicht funktioniert. „Deshalb werden Chemikalien, gebrauchte Spritzen und infektiöses Verbandsmaterial zusammen mit dem Hausmüll der Beschäftigten mehrmals täglich in einem offenen Feuerchen verschürt“, schildert die Mechatronik-Studentin im 11. Semester.

„Auf diese Weise werden erhebliche Mengen an giftigen Dioxinen freigesetzt.“ Ein Teil des Mülls wird in einem Container gesammelt, in unregelmäßigen Abständen abgeholt — und dann ebenfalls verbrannt.
Dabei gelangen wiederum Dioxine in die Luft – und über den Regen ins Grundwasser. „Das ist der Grund, warum viele Menschen in Ghana Hautausschläge, kaputte Lungen oder innere Vergiftungen haben“, sagt Veronika.

Sie hat sich deshalb mit den verantwortlichen Leuten des Krankenhauses zusammengesetzt und ein umfassendes Konzept für die Mülltrennung und -entsorgung erarbeitet. Ein zentraler Baustein dabei ist ein neuer Verbrennungsofen für die infektiösen Abfälle.

Die Anlage wird derzeit in Deutschland geplant und soll im Frühjahr auf dem Krankenhausgelände gebaut werden. Die Motivation der Einheimischen, bei dem Projekt mitzumachen, sei groß, versichert Veronika: „Die ghanaische Regierung betreibt seit einigen Jahren ein für das ganze Land verbindliches Gesundheitsprogramm. Dazu gehören auch regelmäßige Qualitätsprüfungen, die die Krankenhäuser untereinander machen. Gerade das Holy Family Hospital schneidet dabei im Müll-Management immer schlecht ab. Insofern kommt unser Projekt den Leuten dort sehr gelegen.“

Überhaupt hat Veronika die Menschen in Ghana als sehr freundlich empfunden. „Die Einheimischen sind Neuem gegenüber sehr aufgeschlossenen. Und sie gehen mit viel Engagement an die mit uns gemeinsam erarbeiteten Themen heran.“

Veronika bei einer Besprechung mit der Krankenhausleitung Foto: privatAls nervig hat sie hingegen den Straßenverkehr in Ghana empfunden. „Regeln wie bei uns kennen die dort nicht, da fahren alle wild durcheinander und jeder so, wie es ihm passt,“ Dass vergleichsweise wenig passiert, liegt an den permanent verstopften Straßen. „Eine Fahrt, für die wir am Sonntag 25 Minuten gebraucht haben, dauerte dann am Montagmorgen gleich zweieinhalb Stunden“, erinnert sich Veronika.

Und an den Gestank. „Eine schockierende Drohung, dass die Entwicklungsländer in absehbarer Zeit in ihren Müllbergen untergehen“, sagt Veronika. „Das Aufkommen an Müll ist ähnlich wie bei uns in Deutschland. Aber wir haben Müllentsorgungsunternehmen, die uns dieses Problem abnehmen. In Ghana, und sicherlich auch in anderen Entwicklungsländern, werden die Menschen damit allein gelassen.“

Nicht ganz. Der Verein Technik ohne Grenzen kümmert sich jetzt drum. Ihr habt Interesse, bei dem Verein mitzumachen? Dann surft mal auf die Homepage www.technik-ohne-grenzen.org Dort findet ihr die Termine für die nächsten Treffen der Regionalgruppen in Amberg, Bayreuth und Erlangen.

LOTHAR HOJA

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