Hilft eine Software gegen Mobbing? PDF Drucken

Illustration: Bronislav HavaComputer-Riese Apple bringt neues Programm auf den Markt

 

Es gibt viele Möglichkeiten, um gegen Mobbing vorzugehen. Der Software-Riese Apple hat sich einen ganz neuen Weg ausgedacht. Die Firma hat nämlich ein Programm entwickelt, das verhindern soll, dass Jugendliche per SMS andere Jugendliche fertigmachen.

 

Das Programm funktioniert wie ein Filter. Er soll „anstößige Sprache“ im Text erkennen und das Senden der SMS dann verhindern. Je nach Alter und Schulreife des Handynutzers soll das Programm verstellbar sein.

Der Filter soll aber nicht nur vor Mobbing schützen, sondern auch verhindern, dass sich Jugendliche – absichtlich oder versehentlich – auf Seiten für Erwachsene einloggen. Außerdem soll der Filter das Hochladen von peinlichen Bildern, zum Beispiel durch Klassenkameraden, erschweren.

So massive Probleme wie Mobbing lassen sich aber nun mal durch eine profane Software nicht lösen. Für Technikfreaks dürfte es zudem ziemlich leicht sein, die Software zu knacken und den Filter somit nutzlos zu machen.

Nicht nur Technikfans könnten dem Filter gefährlich werden, sondern auch die Wortakrobaten. Wie will denn der Filter Wortneuschöpfungen wie das Wort „Schädelficken“ statt Kopfschmerzen erkennen? Und zusätzlich richtig einordnen, dass es sich bei diesem Wort um nichts Anstößiges handelt? In Pons „Wörterbuch der Jugendsprache“ 2011 gibt es immerhin 1500 Einträge – jedes Jahr werden es mehr. Spätestens hier dürfte dann der Filter an seine technischen Grenzen kommen.

Außerdem ist Mobbing per Handy noch lange nicht das einzige Problem, das immer akuter wird. Viele Jugendliche schlagen sich in Chatrooms ihre Nächte um die Ohren und tauschen sich hauptsächlich dort mit Freunden aus, nicht etwa per SMS.

Dadurch ist ein neues Problem entstanden. Denn im Internet ist Cyber-Mobbing sogar noch einfacher als per Handy. Wenn man eine SMS bekommt, weiß man schließlich noch, wer sie gesendet hat.

Im völlig anonymen Netz könnte man den Filter von Apple allerdings nicht verwenden, obwohl er hier viel nötiger wäre. Denn auch außerhalb von Mobbing unter Gleichaltrigen lauern im Internet und in Chatrooms viele andere Gefahren, vor denen der Filter auch nicht schützen kann.

Da stellt sich die Frage, ob dieser Filter nicht nur zur bloßen Beruhigung panischer Eltern dienen soll. Apple selbst könnte von der eigenen Erfindung, wenn sie sich gut verkauft, natürlich nur profitieren – Hauptsache die Geldmaschine läuft! Normalerweise wird ja alles, was der Software-Riese anfasst, zu Gold. Das Problem an sich ist aber nicht gelöst, nur weil Eltern beruhigt sind und Apple die Goldbarren stapelt.

Was wir wirklich brauchen, sind Aufklärungskampagnen in Schulen und Freizeiteinrichtungen. Wenn man vom Lehrer, Fußballtrainer oder sogar von älteren Jugendlichen Infos zum Thema Mobbing bekommt, zeigt das auch Wirkung. Oft sind sich die Täter nämlich gar nicht dessen bewusst, was Mobbing wirklich bei den Opfern auslöst.

SOPHIE SONNENBERGER

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