Tipps von der Fashionista aus Mexiko PDF Drucken

Illustration: Anne-Sophie HußlerKönnen Online-Communitys in Sachen Mode-Beratung wirklich weiterhelfen?

Das Sommerwetter hat uns fest im Griff – und so langsam stellt auch der und die Letzte fest, dass es Zeit ist, den Kleiderschrank mit frischen Sommerklamotten aufzumöbeln. Aber was darf heuer keinesfalls fehlen in eurem Fundus? Kann vielleicht das Internet helfen? Immerhin gibt’s einige Portale, die Hilfe in Sachen Fashion anbieten. Katharina Tontsch (20) und Charlotte Großkopf (17) haben sich die für euch angeschaut. Aber während Katharina ganz begeistert ist, kann Charlotte den Portalen kaum etwas abgewinnen. Lest hier ihre Kommentare!

 

PRO: Für Modefans ein Muss

Bei der stetig wachsenden Flut an Internetportalen kann man schon mal den Überblick verlieren. Aber ich kann euch empfehlen, folgende Seite unter euren Favoriten zu speichern: fashionfreax.de

Ähnlich wie bei Facebook und Co. meldet man sich an und steckt zunächst in einer unübersichtlichen Welt aus Blogs, Chats und Tausenden Usern. Fashionfreax ist eine Seite für Gleichgesinnte oder Modeverrückte (je nach Perspektive). Mädels und Jungs aus der ganzen Welt stellen Bilder von sich und ihren Outfits online, und die Community diskutiert über Styles, Trends, Labels und Schlussverkäufe in angesagten Läden. Wer nicht dabei ist, verpasst was!

Hauptaugenmerk liegt auf den geposteten Bildern. Nirgendwo kriegt man leichter eine kompetente Stilberatung und gleichzeitig modeverrückte Internetfreunde. Dabei kommt es nicht darauf an, ein perfektes Modelbild hochzuladen. Viele fotografieren sich selbst, in ihrem Zimmer oder vor dem Spiegel im Bad. Ausgefallene Styles gehören genauso dazu wie die zerschlissene Lieblingsjeans. Natürlich sind auch Bilder professioneller Models zu bestaunen. Davon kann man sich eine Menge abschauen und neue Trends begutachten.

Die Suche nach neuen Schätzen für den Kleiderschrank beginnt ebenfalls auf Fashionfreax, da die meisten Mitglieder zusätzlich zu ihren geposteten Bildern angeben, wo sie ihre Kleidung gekauft haben. Ob H&M, Zara oder Mango – alles ist dabei und bereits in kreativen Kombis zu bestaunen. Und hier gilt: Nachkaufen erlaubt! Immerhin trägt das nicht die beste Freundin, sondern Menschen aus anderen Städten und Ländern.

Für mich macht genau dieses internationale Flair die Seite spannend: Asiatinnen haben einen ganz anderen Style als wir Europäer. Mädels aus den USA kombinieren verschiedenste Kleidungsstücke undlegen jede Menge Mut bei ausgefallenen Outfits an den Tag. Und in Kanada zeigt sich, dass man auch in einer Winterjacke gut aussehen kann.

Nebenbei lernt man die Hieroglyphen einer englischen Chatnachricht zu entziffern und eignet sich selbst ein paar neue Vokabeln an. Ob die einem in der Schule weiterhelfen, ist zwar fraglich. Nach dem ersten Trip ins englischsprachige Ausland wird man aber feststellen, dass auch solche Sprachkenntnisse gefragt sind.Für mich zählt Fashionfreax zu meiner „täglichen Lektüre“. Die Ideen und Inspirationen sind einfach die perfekte Voraussetzung für einen ausgiebigen Shoppingtrip!

Katharina Tontsch

 

CONTRA: Nur selten individuell

Nicht erst seit gestern zählen Online-Communities zu den ersten Adressen im Netz. Und eigentlich fand ich das Angebot von Modeportalen wie fashionfreax.de, styleranking.de und Co. ganz spannend. Eigentlich. Denn bei näherem Hinsehen frage ich mich: Was können sie uns schon bieten?

Viele Fotos, ja. Fotos von Mädchen in den unterschiedlichsten Styles – auf der Straße, vor dem Badezimmerspiegel, abfotografiert aus Modezeitschriften. Tolle Fotos, wie sie die Werbeflächen an Bushaltestellen zieren, und ganz gewöhnliche, wie man sie von Profilseiten sozialer Netzwerke kennt. Einige sehen wirklich atemberaubend aus. Aber anstatt einer kalifornischen Fashionista nachzueifern, hole ich mir doch lieber Rat bei Freundinnen, wenn ich Sommerlaune in meinen Kleiderschrank zaubern will.

Zwar zeigt die Bilderflut, wie sich Jugendliche auf anderen Kontinenten kleiden. An den Klamotten selbst lässt sich das aber kaum erkennen. Schließlich entpuppt sich H&M als Grundzutat von so gut wie jedem gelbstgemixten Outfit. Da kann ich auf meinem Shoppingtrip auch in den nächsten Laden marschieren und mich von den Schaufensterpuppen inspirieren lassen. Oder von den Leuten, die mir dort begegnen.

Was neue Bekannt- und Freundschaften angeht, so habe ich festgestellt, dass die meisten Gespräche nur lebensfähig sind, solange sie über die Kommentarfunktion geführt werden. Selten kommt man über ein „Danke, deines auch! Voll schööön.“ hinaus. Wie denn auch? Ein geteiltes Liebesbekenntnis für H&M schafft kaum eine Grundlage für eine Freundschaft.

Außerdem scheint es den meisten Modeverrückten sowieso nicht um neue Bekanntschaften, sondern um eine gute Bewertung zu gehen. Man setzt sich selbst samt Lieblingsklamotten ja nicht in Szene, um dann in der Versenkung zu verschwinden.

Wem es gefällt, der mag solche Portale gern nutzen. Ich knüpfe meine internationalen Kontakte aber lieber über die gängigen sozialen Netzwerke. Und plane den nächsten Stadtbummel mit der besten Freundin. Deren Urteil und den eigenen Geschmack kann meiner Meinung nach keine Online-Community ersetzen.

Charlotte Großkopf
 

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