Jana erobert den Topmodel-Himmel PDF Drucken

Jana hat die Jury mit ihrem Lächeln verzaubert und so die sechste Staffel von „Germany’s next Topmodel“ gewonnen. Foto: dpaReichlich Tränen und Gähnen im Finale: Ein Kommentar zur sechsten Staffel von GNTM

"Ich habe heute leider kein Foto für dich.“ Vor diesem Satz hatte Jana monatelang Panik. Jetzt sind schmerzende Schuhe, Zickenkrieg und die Angst vor dem Versagen ganz weit weg. Die junge Frau mit dem Julia-Roberts-Lächeln darf sich „Germany’s next Topmodel“ nennen. Ein Traum ist wahr geworden für die 20-Jährige.

Und auch für die Macher der Casting-Show, die zum sechsten Mal über die Bühne ging. Die einzigen Konstanten dabei sind: Heidi Klum als Model-Mama, ihre lähmenden 17-sekündigen Sprechpausen und der Satz „Ich habe heute leider kein Foto für dich“.

Alles andere wird nach Belieben und vor allem dem Wunsch der Werbekunden geändert. Schließlich geht es hier ums Geldverdienen, und nicht um den TV-Auftritt von ein paar Gutmenschen, die aus purer Barmherzigkeit einer jungen Frau eine Chance in der Modelbranche verschaffen wollen.

Aus den Fehlern der fünften Staffel hat das GNTM-Team offensichtlich gelernt: Die Episode, aus der Alisar Ailabouni als Siegerin hervorgegangen war, war die bis dahin mit Abstand langweiligste gewesen. Vor allem, weil sich die Jury schon Wochen vor der Entscheidung auf die gebürtige Syrerin festgelegt hatte — was viele kaum nachvollziehen konnten. Bis zum Schluss hatte man den Eindruck, Alisar weiß eigentlich gar nicht, was die ganzen Leute mit den großen Kameras von ihr wollen.

Starke Finalistinnen

Das war diesmal anders. Sowohl Amelie als auch Rebecca (und wohl auch die viertplatzierte Aleksandra) hätten es verdient, zum Schluss als Siegerin dazustehen. Noch nie gab es so starke Finalistinnen. Obendrein war noch nie eine Staffel dramaturgisch so gut durchgestylt wie diese.

Die Macher haben aufgepasst, dass sich nette Mädels und wahre Zicken die Waage halten. Oder wäre die superliebe Chinesin Sihe sonst so weit gekommen? Immerhin hatte sie keinen einzigen Job ergattert. Ihr Counterpart Anna Lena, stets für Zoff und derbe Sprüche gut, hat die Kunden ebenfalls kaum überzeugt und schied dennoch erst kurz vorm Finale aus.

Viel Licht und Schatten gab’s auch bei Heidi Klums Co-Juroren: Einen hohen Unterhaltungswert hatte der Modedesigner Thomas Rath, der die Mädchen gerne „Schatzi“ nannte und konsequent zu seinen schrillen Outfits stand. Mindestens gewöhnungsbedürftig war hingegen der arrogant wirkende Art Director Thomas Hayo. Ganz schauderhaft dessen Angewohnheit, völlig ohne Not mit englischen Vokabeln um sich zu werfen. Ein Model müsse zum rechten Zeitpunkt Leistung „delivern“ oder auch schon mal „expensive“ eine Treppe runterkommen. Soso!

Bleibt die Frage: Wird Jana nun tatsächlich ein Topmodel? Wer den Werdegang der bisherigen GNTM-Finalistinnen ansieht, der sieht, dass das nicht zwingend so ist. Gut in den Medien vertreten ist einzig Sara Nuru, Siegerin von Staffel 4. Sie sieht man auf Laufstegen in New York, als Botschafterin von Karlheinz Böhms Äthiopien-Hilfe „Menschen für Menschen“ oder auch mal in einem Kinofilm. Derzeit mausert sie sich zu einer ganz passablen Society-Reporterin. Was man von der Backstage-Talkerin Lena Gercke, Siegerin der allerersten Staffel,nicht behaupten kann. Modeln kann sie eindeutig besser als Fragen stellen.

Bescheidene Kamera-Einstellungen

Überhaupt, das Finale: Oh mein Gott, wie zäh es doch manchmal sein kann, die Zeit zwischen zwei Werbeblöcken zu überbrücken! Die Highlights dieser Dauerwerbesendung waren (bis auf Lady Gagas Auftritt) einfach peinlich. Beim Walk der Top 20 sprang die Kamera wild umher, so dass man keine der Teilnehmerinnen verfolgen konnte.

Noch schlimmer die Challenge mit Jana und Rebecca am Trapez: Wer kann den Ausdruck und die Grazie eines Models beurteilen, wenn die Kamera 100 Meter weit weg ist? Müsste Heidi Klum, die auch noch Probleme mit dem Ablesen vom Teleprompter hatte, sich dafür vor einer Jury verantworten, könnte die bloß sagen: „Heidi, wir haben heute leider kein Foto für dich.“

Und wo war die Kamera bei Janas Sieg? Was sollte die Frage: „Wie fühlst du dich jetzt?“ Wo war Rebecca auf einmal hin? Wir werden es nie erfahren. Da hilft es auch nicht, wenn die Juroren immer wieder „Wow!“ rufen und gebetsmühlenartig versichern, wie „umwerfend“ die Show sei. Sie war einfach nur umwerfend langweilig. Zum Gähnen.

Doch letztlich ist das Finale vielleicht gar nicht so wichtig, so lange der Unterhaltungswert der TV-Show an sich stimmt. Und das tut er nach wie vor: Es menschelt an allen Ecken und Enden, Tränen fließen reichlich, Werbeeinnahmen auch — was will man mehr? Staffel 7 ist schon ausgemacht. <

MARTIN DAMEROW
 

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