| Waffenruhe zwischen den Geschwistern |
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Später jedoch machte sie sich einen großen Spaß daraus, mir all die Sachen, die sie angestellt hatte, in die Schuhe zu schieben. Plötzlich bekam ich den Ärger für das heruntergefallene Telefon, den Kratzer in der Küchenarbeitsplatte, das Loch im aufblasbaren Pool... Doch Rache ist ja bekanntlich süß. Da verschwand dann schon mal eines ihrer Lieblingsspielzeuge – die Barbie (obwohl sie 20 von den Dingern hat) oder ein Nintendo-DS-Spiel – für mehrere Wochen. Es tauchte erst dann wieder wie von Zauberhand auf, wenn ich gemerkt hatte, dass es ihr wirklich leid tat. Kam sie hinter den Grund des Verschwindens, schaukelte sich die ganze Sache meist so lange hoch, bis wir das Zimmer des jeweils anderen verwüsteten. Als dann jedoch vor ein paar Jahren bei einem Streit mal ein iPod kaputt ging, haben wir uns geschworen, zukünftig die Sachen des anderen in Ruhe zu lassen. Doch eigentlich streiten wir eher selten. Wenn überhaupt, dann sind es nur kleinere Zickereien. Bei denen geht es meist darum, wer über „das Zepter der Macht“ – auch Fernbedienung genannt – bestimmt. Manchmal lass ich mich ja gern dazu hinreißen, Serien auf oder Disney Channel zu schauen. Aber an manchen Tagen brauche ich meine Musiksender! Auch das Abendprogramm ist immer eine heiße Diskussion: Sie will Animationsfilme wie „Ice Age“ sehen, die wir alle schon 999 556 Mal angeschaut haben. Zwar hat sie, genau wie ich, einen eigenen Fernseher – aber alleine schauen ist natürlich doof. Trotzdem: Die Streitereien sind oft genauso schnell wieder vergeben und vergessen, wie sie angefangen haben. Lästiger ist da schon die Tatsache, dass man nicht einfach mal so in die Stadt gehen kann. Ich muss darauf achten, dass meine kleine Schwester nicht allein zu Hause ist – sie könnte sonst ja das Haus in Brand setzen oder mit irgendwelchen Gegenständen ein Massaker veranstalten. Dabei ist sie immerhin schon zwölf – und es nervt sie selbst, dass sie noch immer von allen wie ein kleines Mädchen behandelt wird. Das sind aber nur die wenigen nervigen Seiten am Aufwachsen mit einer jüngeren Schwester. Wenn wir beide gerade mal nicht gegeneinander Krieg führen, haben wir immer viel zu lachen. Dann kann uns auch nichts und niemand so schnell auseinanderbringen. Außerdem haben wir einen fairen Deal: Sie darf ab und zu mit meinen Haustieren, Meerschweinchen Struppel und Löwenkopfkaninchen King Kong, spielen und bekommt von mir Hilfe, wenn sie etwas in der Schule nicht versteht. Im Gegenzug darf ich manchmal in ihren Zeitschriften rumblättern und ihren Drucker benutzen, wenn meiner wie immer den Geist aufgegeben hat. Am Ende ist das Leben mit einer jüngeren Schwester Fluch und Segen zugleich. Gerade dann, wenn sie mal wieder für ein paar Tage bei einer Freundin übernachtet, merke ich, wie langweilig es ohne sie ist und wie schnell ich das gemeinsame Rumalbern vermisse. Deswegen würde ich mein kleines Schwesterherz für keinen sechsstelligen Geldbetrag der Welt hergeben. Illustration:Bronislav Hava
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Leben 



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