Runter vom Sofa, rein ins Theater PDF Drucken

6. Jugendtheaterfestival Licht.blicke

Theater als Festival?! Das geht und zwar bei Licht.blicke – dem 6. Nürnberger Jugendtheaterfestival, das noch bis zum 27.Oktober vom Gostner Hoftheater und theater zwo sieben veranstaltet wird. Wie jedes Jahr bewertet eine Schülerjury die Theaterstücke. In der sitzt auch Marco de las Heras (19) aus Roßtal. Er spielt selbst im jungen Theater Ansbach und möchte Theaterpädagogik und Schauspiel studieren. Der 19-Jährige erzählt, warum sich ein Besuch beim Jugendtheaterfestival lohnt.  
Alle zwei Jahre zeigt das Gostner Hoftheater bei Licht.blicke extra Theaterstücke für Jugendliche. Dazu werden Gruppen aus ganz Deutschland eingeladen. Das Besondere an Licht.blicke 2011 ist für mich, dass alle Stücke irgendwie Hoffnung ausdrücken. Es geht um Liebe und ums Erwachsenwerden und ich treffe Gleichgesinnte. Dazu kommt, dass alles live ist und jede Vorstellung absolut einmalig. Das macht es für mich schon mal viel aufregender als Kino.

Alt und doch aktuell

Angefangen habe ich mit der Premiere des Wolfgang-Borchert-Projekts „Draußen vor der Tür… und der Krieg geht weiter“. Ich fand das Stück besonders interessant, weil es zum einen zur Theaterweltliteratur gehört und normalerweise klassisch gespielt wird. Doch die beiden Regisseure arbeiteten viel mit modernen Mitteln. Das Licht war gedämpft und moderne Capoeira-Moves aus der brasilianischen Kampfkunst beeindruckten auf der Bühne.

In dem Stück geht es um einen Soldaten, der nach sechs Jahren im Krieg nach Hause kommt und gar nicht mehr weiß, wie er sich zu Recht finden soll: Seine Frau hat sich einen anderen Mann gesucht, seine Eltern sind gestorben und in der Nacht träumt er immer wieder vom Krieg. Er hat das Gefühl nirgends mehr willkommen und ausgeschlossen zu sein.

Es düster zu: Der Teufel, mit käsigem Gesicht und pechschwarzen Anzug, steht auf einem gebogenen Balkon und lässt über das schweigende Publikum hinweg seine furchteinflößende Stimme dröhnen. Schwarzvermummte Gestalten, die am Boden entlang kriechen und leise im dunklen Hintergrund den Namen des Soldaten flüstern. Wasser, das auf eine Leinwand projiziert wird, verwirrte Stimmen über Lautsprecher und viel Matsch. Außerdem verkörpert ein Tänzer die innere Hoffnung des Soldats, mit dem er manchmal kämpft, der ihn aber auch immer wieder aufrichtet, wenn er am Boden liegt.
Das klingt bestimmt erst mal seltsam, aber ich war begeistert! Ich glaube, man fühlt sich dabei selbst an bestimmte Situationen in seinem eigenen Leben erinnert.

Szene aus „Clyde und Bonnie“. Foto: PRWas ich auf keinen Fall verpassen möchte ist „Clyde und Bonnie“, das Samstagabend um 19 Uhr im Hubertussaal gezeigt wird. In dem Stück geht es um Tod, Sex, Geld und Liebe. Themen, die mich beschäftigen und interessieren. Trotz der Ernsthaftigkeit wird das Stück auf die witzige Schiene gespielt und natürlich wieder unter dem Einsatz vieler medialer Elemente.

Und dann gibt es noch ein echt tolles Stück für HipHop-Fans: Das Gruppenstück Hüzün – ein schmerzvoller Verlust“ des HipHop-Choreographen Kadir Memis alias Amigo (E-Motion) aus Berlin. Das wird am Sonntag, 23. (19 Uhr) und Montag, 24. Oktober (10.30 Uhr) in der Tafelhalle vorgeführt. Hüzün fühlt sich heimatlos und wankt zwischen zwei Welten: der türkischen und der deutschen. Ich denke mit dem Stück werden Vorurteile abgebaut und man gewinnt einen anderen Blickwinkel. Ich bin jetzt erst mal gespannt auf „Clyde und Bonnie, doch es gibt auch noch andere Theaterstücke! Noch bis Donnerstag könnt ihr bei Licht.blicke vorbeischauen. Infos und Termine findet ihr auf www.gostner.de
 
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