Rettet das Silvesterkleid PDF Drucken

Die Plätzchenschlacht an Weihnachten ist rum – und nix passt mehr. Foto: colourbox.comWarum Plätzchen-Fan Hanna nackt vor dem Spiegel essen sollte

Drei Tage lang nur gegessen. Und hinterher jammern wir alle. Auch unsere Autorin Hanna (17) kann ein Lied von gemeinen Weihnachtspfunden singen... Dreieinhalb Kilo Körperfett entsprechen 14 Päckchen Butter. Das ist toll. Aus meinen Weihnachtspfunden kann man also locker zweitausend Pralinen herausarbeiten. Mir geht es schlecht.
Seit dem zweiten Weihnachtsfeiertag laufe ich den ganzen Tag in Jogginghose herum, da dies das einzige Kleidungsstück ist, das mir noch passt und weder aufplatzen noch reißen kann.

Es ist jedes Jahr dasselbe! Im November bin ich immer noch wahnsinnig motiviert und denke mir, dass „dieses Jahr alles anders wird“. An Nikolaus nasche ich nur Mandarinen und Äpfel und gönne mir maximal noch eine Erdnuss. Auf Schokolade will ich diesen Advent ganz verzichten und an den hunderttausend Weihnachtsfeiern werde ich nur am kalorienärmeren Kinderpunsch statt am Glühwein nippen.

Abrufbereit als Testesserin

Ein phänomenaler Plan, der schon am 1. Advent scheitert. Mama hat gebacken und will, dass ich Vorkosterin der Plätzchen bin. Ich opfere mich heldenhaft. Aus einem Keks werden fünf – und Mama ist nicht mehr zu stoppen. Sie verfällt in einen Backrausch: Vanillekipferl, Lebkuchen, Schokomakronen, Christstollen und, und, und...

Foto: colourbox.comIch werde als Cheftesterin eingestellt und muss nun bis zum 24. immer abrufbereit sein. Bald denke ich „Was soll’s!“ und schmeiße alle Figur-Pläne über Bord – wie jedes Jahr.

Bei Weihnachtsfeiern bin ich stets die erste, die zum Glühwein greift und Gebackenes reinschaufelt. Als wäre das nicht genug, bin ich zusätzlich gezwungen, jeden Tag den Inhalt des selbst gemachten Adventskalenders von Mama zu verdrücken. Ach, und an Nikolaus sind das einzige, was ich nicht esse, die Mandarinen und Äpfel.

Die Adventszeit geht nahtlos über in Heiligabend und die Feiertage – da geht die Esserei dann eigentlich erst richtig los. Nach dem Motto „Einer geht noch, einer geht noch rein!“ wird gegessen, was das Zeug hält.

Rechthaberische Waagen

Spätestens nach dem ersten Gang auf die Waage falle ich in ein tiefes Loch. Meine Stimmung sinkt schlagartig. Dreieinhalb Kilo mehr. „Das kann nicht stimmen, die Waage ist kaputt!“ Zum Glück haben wir drei von den Dingern zu Hause. Aber auch die scheinen nicht mehr ganz zu funktionieren...

Erst als ich vergeblich versuche, mich in eine meiner zig Jeans zu quälen, muss ich einsehen, dass die Waagen doch recht haben. Auch das Silvesterkleid, das ich im Oktober gekauft habe, passt nicht mehr. Ich bin den Tränen nahe und wütend auf mich selbst. Warum konnte ich mich nicht zurückhalten?

Zu spät. Ein Notfall-Plan muss her! Sonst bleibt mir nichts anderes übrig, als mit Jogginghose ins neue Jahr zu feiern. Zum Glück ist meine Freundin Nina auf dem Gebiet „Diät“ eine absolute Expertin. Es gibt nichts, was sie noch nicht ausprobiert hat und statt Mathe lernt sie lieber Kalorientabellen. Als sie erfährt, dass das Silvesterkleid in Gefahr ist, packt sie ihre Tipps aus.

Da es nur noch drei Tage bis Jahresende sind, soll ich mich nur noch von „Hipp“-Gläschen ernähren. „Baby Food Diät“ also. Außerdem rät Nina mir, dass ich alle Mahlzeiten nackt vor einem Spiegel einnehmen soll. Das würde den Appetit ungemein zügeln. Danke.

altBlaue Gläser gegen Hunger 

Zusätzlich bietet sie mir ihre Yumetai- Brille an, die mit ihren blauen Gläsern Appetitlosigkeit hervorrufen soll. Wie nett. Außerdem wäre es gut, wenn ich nur noch kalt dusche, da das „ganz nebenbei“ Kalorien verbrennt. Weintrauben soll ich auch einfrieren, damit ich sie naschen kann, sollte mich Heißhunger überfallen. Alternativ könne ich bei einem solchen Notfall auch Zahnpasta essen.

Wenig überzeugt gehe ich Babynahrung einkaufen, Als ich im Drogeriemarkt gerade dabei bin, das gesamte Gläschen-Sortiment einzupacken, höre ich eine Frau zu ihrer Tochter sagen: „Schau mal, das arme Mädchen ist schon Mutter! Die ist nur ein bis zwei Jahre älter als du!“

Das ist nun ein Jahr her. Das Ende vom Lied war, dass ich mir, statt Diät zu machen, ein neues Silvesterkleid kaufte. Meine Weihnachtspfunde hatte ich im Frühling wieder los.

HANNA-KATHARINA MEIER

 

 

 

 

 

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