Der mit dem Hubschrauber tanzt PDF Drucken

Foto: Banasch17-jähriger Schüler aus Georgensgmünd ist Weltmeister am ferngesteuerten Helikopter 

In Michaels Familie gehen alle in die Luft. Beide Opas, die Oma, Mutter und Vater, die 14-jährige Schwester. Segefliegen ist bei den Wisbachers eine Familientradition. Nur der 17-jährige Michael tanzt aus der Reihe: Statt im Segelflieger durch die Luft zu gleiten, lässt er lieber ferngesteuerte Hubschrauber Richtung Himmel tanzen. Und zwar sehr erfolgreich: Diesen Sommer wurde Michael deutscher Vizemeister und Weltmeister.

„Mein Vater hätte es vielleicht lieber gesehen, wenn ich Segelflieger geworden wäre“, sagt Michael und lacht verschmitzt. Als er zehn war, hatte sein Opa ihm das erste Modellflugzeug gekauft. Eigentlich war die Modellfliegerei nur zur Überbrückung gedacht, bis Michael mit 14 mit dem Segelflugschein hätte anfangen dürfen. „Das Modellfliegen hat mir aber so viel Spaß gemacht, dass ich einfach dabei geblieben bin.“ Die Segelfliegerei kann warten. 

Nach den ersten Versuchen mit Flächenflugzeugen stieg Michael 2008 auf Hubschrauber um. Drei totale Abstürze muss er bis heute auf seinem „Unfallkonto“ verbuchen – zum Glück alle mit reparierbaren Schäden. Neben echtem Training auf dem Gelände des Modellfliegerclubs Großweingarten bei Spalt übte Heli-Pilot Michael regelmäßig am Flugsimulator am heimischen PC. Nach eineinhalb Jahren startete er zum ersten Mal bei der deutschen Meisterschaft. „Da bin ich dann allerdings Letzter geworden“, erzählt der Schüler, der nächstes Jahr sein Abi am Gymnasium Roth ablegt, „mein Hubschrauber ist kaputt gegangen.“

Dieses Jahr ging die Meisterschaft glücklicher aus für Michael: Von den 23 Teilnehmern (Heli-Fliegerei ist reine Männersache!) durfte er als Vizemeister nach Hause fahren. Bei Meisterschaften muss jeder Pilot seinen ferngesteuerten Hubschrauber zu einem drei bis fünf Minuten langen Musikstück (Michael wählte einen Walzer) mit verschiedenen Figuren durch die Luft manövrieren. Die Preisrichter bewerten dabei Dinge wie Kreativität, Harmonie der Übergänge, Schwierigkeit und Sicherheit.

Foto: BanaschMit bis zu 180 Kilometern pro Stunde kann Michael seinen vier Kilo schweren „Logo 600“ durch die Luft flitzen lassen, die schnellsten Helis schaffen sogar Tempo 290. Seit vergangenem Jahr ist Michael Mitglied im internationalen Piloten-Team des Potsdamer Modelhubschrauber-Herstellers Mikado. Eine feine Sache für den Schüler aus Georgensgmünd, denn so bekommt er die rund 1500 Euro teuren Hubschrauber plus Ersatzmaterial kostenlos gestellt. Und er durfte auf Einladung seines Sponsors in den Sommerferien zwei Wochen an einem Heli-Treffen in den USA mit Piloten aus zig Ländern teilnehmen. Mit internationalen Kollegen kennt Michael sich inzwischen aus – schließlich standen bei der WM im Juli in Holland mit ihm Amerikaner und Asiaten auf dem Siegerpodest.

Deutsche Meisterschaft, Weltmeisterschaft: Welche Ziele kann ein 17-Jähriger noch haben? „Wenn man älter wird, reagiert man langsamer“, erklärt Michael. „Kaum ein Pilot im Modellflug ist älter als 40.“ Ein paar Jahre will Michael also noch die Knöpfe und Hebel an der Fernsteuerung drücken und nach dem Abi Flugzeugbau studieren. Und vielleicht geht’s irgendwann ja doch noch ins Cockpit eines Segelfliegers...

KRISTINA BANASCH

 

Ein Video über Michaels Kunststücke mit dem Heli gibt's hier!
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