Weicheier fliegen raus PDF Drucken

So tanzen wie richtige Ballett-Profis – das möchten auch die Jungs aus dem Ballett Forum Franken in Fürth. Tanzlehrerin Julia Vitez korrigiert den achtjährigen Fabian in seiner Haltung, Fleiß zahlt sich aus: Auch Kai (Mitte) und Christian beherrschen ihre Figuren – zum Teil sogar besser als die weiblichen Ballett-Tänzerinnen. Leistungssport Ballett sucht männlichen Nachwuchs

]Ihr glaubt, Jungs und Ballett passen nicht zusammen? Dann liegt ihr falsch! Jungs haben sogar bessere Voraussetzungen als Mädchen – in einer anspruchsvollen Sportart, die langsam alte Vorurteile überwindet.
Um eins gleich mal klar zu stellen: Weicheier gibt es beim Ballett nicht, denn die würden den medizinischen Test kaum bestehen. Körperbau, Sehnen und Gelenke müssen den Anforderungen für eine jahrelange intensive Belastung genügen. Nur wer diese athletischen Voraussetzungen mitbringt, hat eine Chance auf eine berufliche Zukunft im Ballett. „Die Entwicklung ist genau wie im Fußball. Die Leistung steht im Vordergrund“, erklärt Julia Vitez, Vorsitzende und Tanzlehrerin des Vereins Ballett Forum Franken in Fürth.
Die ersten Talente werden bereits im Alter von vier Jahren gesichtet. Ein Fußball-Profiverein würde dazu professionelle Späher beschäftigen, die gezielt nach begabten einheimischen Sportlern suchen. Mehr Glück braucht es da schon, um den künftigen fränkischen Ballett-Star zu entdecken. Julia Vitez besucht an Schulen den Sportunterricht und muss sich in kurzer Zeit einen Eindruck verschaffen.
Wichtig sind vor allem Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit. Das führt zunächst zu einer überraschend einseitigen Geschlechterverteilung. „Im Alter zwischen sechs und acht Jahren haben Jungs einen Vorteil, da ihr Spiel- und Bewegungstrieb besser ausgeprägt ist“, sagt Vitez. Im Laufe der Zeit springen die meisten männlichen Tänzer allerdings wieder ab. „Wer mit 15 immer noch dabei ist, bleibt dem Ballett dafür sein ganzes Leben erhalten“, ist sie sicher.
Warum Jungs so häufig aussteigen? Für die erfahrene Ballett-Lehrerin steht fest: Wer als Junge Ballett macht, wird in der Schule oder der Nachbarschaft für weniger männlich oder schwul gehalten. „Für mich besteht da absolut kein Zusammenhang“, ärgert sich Vitez, „in anderen Ländern wie Russland, Frankreich oder Großbritannien gibt es diese altertümliche Denkweise gar nicht. Deutschland hat noch kräftig etwas aufzuholen.“
Ein positiver Trend lässt sie dennoch hoffen. Für den jährlichen Talentwettbewerb „Der goldene Schuh“ ihres Vereins haben sich für 2012 überdurchschnittlich viele männliche Interessenten angemeldet.
Der Vergleich zeigt: In den vergangenen Jahren hielt stets ein einsamer Junge unter 20 Mädchen die Fahne seines Geschlechts hoch. Diesmal schafften es fünf Jungs ins Finale.

]Träumen erlaubt

In zwei Altersklassen vergleichen sich Nachwuchstänzer aus ganz Deutschland im klassischen Ballett – eine Teilnehmerin kommt gar aus Tschechien. Die Metropolregion ist durch zwei Mädchen aus Fürth und Nürnberg vertreten.
Für die erfolgreichsten Teilnehmer des Talentwettbewerbs wäre dann der nächste Karriere-Schritt ein Vortanzen bei einer professionellen Ballett-Schule. „Ein Jungtalent aus hundert will später einmal beruflich tanzen“, schätzt Ballett-Lehrerin Vitez. So wie Rebekka Gogel aus Fürth, die im Wettbewerb 2010 Platz zwei belegte. An der renommierten Palucca-Schule in Dresden wurde die 18-Jährige jedoch nicht genommen.
„Die internationale Konkurrenz ist groß und oft besser. Besonders aus China kommen viele gute Tänzerinnen“, erklärt Julia Vitez. Der feine Unterschied liegt ihrer Meinung nach nicht in der Beweglichkeit oder Musikalität, sondern in der fernöstlichen Kultur. Dort wird mehr Wert auf Disziplin und Trainingsfleiß gelegt.
Den bringen die drei Fürther Nachwuchstänzer Christian (11), Kai (11) und Fabian (8) unübersehbar mit. Christian und Kai, die seit vier beziehungsweise drei Jahren Ballett-Unterricht nehmen, beherrschen ihre Figuren und Schritte besser als so manche weibliche Kollegin.
Beide spielen, entgegen dem Klischee, gerne Fußball. „Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich aber Ballett nehmen. Es macht mehr Spaß und ist auch anstrengender“, sagt Kai. Er träumt wie der junge Fabian von einer Karriere als Tänzer, Sänger oder Musical-Star. Ob das klappt, werden die nächsten Jahre zeigen. KEVIN GUDD
 

Alle Finalisten des Talentwettbewerbs treten am 15. Januar, 15 Uhr, auf einer Ballett-Gala im Stadttheater Fürth auf. Karten gibt es ab sechs Euro.

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