Kicken, wo sonst Ronaldo Tore schießt PDF Drucken

Stolz zeigt Christopher eine Medaille: Für das „Team Deutschland“ kickte der Zwölfjährige gegen Mannschaften aus aller Welt. Foto: Mark JohnstonChristopher (12) hat im Stadion von Madrid eine Fußball-Weltmeisterschaft gespielt

Steigt man mit Christopher Bernerth in den Bus, fällt einem der Zwölfjährige kaum auf. Kein Mensch würde vermuten, dass der Junge aus Gräfenberg im Santiago-Bernabeu-Stadion in Madrid mit Deutschland an einer Fußball-WM teilgenommen hat. Er fährt keinen Ferrari, ist kein Foto-Model und kommt nicht aus Portugal.Trotzdem saß Christopher in der Kabine von Real Madrid auf dem Platz des Superstars Cristiano Ronaldo – und schnürte sich die Fußballschuhe.
„Ronaldo ist mein Vorbild“, sagt der Zwölfjährige. Während sein Vater eine Besuchertour im Bernabeu-Stadion absolvierte, kickte der Sohn auf dem Rasen mit „Team Deutschland“ gegen Japan. Doch von vorn: Vor vielen Jahren waren die Bernerths aus Rumänien nach Erlangen ausgewandert. Sohn Christopher kam dort zur Welt, begann in der F-Jugend des TV 48 das Fußballspielen.
In einem Ferienfußballcamp wird Greuther Fürth auf den Sechsjährigen aufmerksam, wenig später wechselt Christopher in die Fürther F2- Jugend. Die Familie wohnt mittlerweile in Walkersbrunn bei Gräfenberg. „40 Minuten“, sagt die Mutter, dauert nun die Fahrt ins Training nach Fürth. 33 Kilometer, die Mama und Papa ihren Sohn viermal die Woche zum Training und Spiel bringen. „Wir machen das gern, aber es ist schon sehr viel Aufwand“, verrät Vater Christian. „Er dürfte das alles nicht, wenn die Leistungen in der Schule nicht stimmen würden.“
Die stimmen. Und die auf dem Platz auch: Christopher ist in der U13 bei den Greuther Fürthern sogar Kapitän. „Ich spiele im defensiven Mittelfeld“, erzählt er. Stolz macht es ihn, wenn sein Trainer sagt, er sei sehr zweikampfstark. „Verbessern muss ich unbedingt noch meinen linken Fuß. Und ich muss schneller werden“, findet Christopher.
Wichtiger als Fußball ist die Schule. „Sport, Latein und Englisch“, sagt der Siebtklässler, seien seine Lieblingsfächer im Eckentaler Gymnasium. Mathe hingegen mag er nicht so gern, auch den Nachmittagsunterricht nicht. „Dann wird es immer knapp mit dem Training.“

600 Teams am Ball

Mit Greuther Fürth hat er beim Danone-Cup teilgenommen, einem weltweiten Jugendfußballturnier. Über 600 Mannschaften waren allein in Deutschland am Ball, der Sieger durfte nach Madrid fahren und beim Danone-Weltcup teilnehmen. „Wir wollten gewinnen“, sagt Christopher.
Und tatsächlich: Schnell hatten sich die Fürther für das Finalturnier in Wiesbaden qualifiziert, im Halbfinale Unterhaching, im Finale Bergisch Gladbach besiegt. Im Herbst 2011 stand dann das Weltturnier an. Und Christophers erste große Reise als Fußballer.
Rund um die Uhr wurden die Kinder in Madrid betreut, trotzdem wollten die stolzen Eltern dabei sein und sind hinterhergeflogen. Sohn Christopher war mit allen WM-Teilnehmern in einem Vier-Sterne-Hotel untergebracht. „Wir haben vier Tage wie Profis gelebt“, freut sich der Zwölfjährige. Aufstehen, Frühstück, Tasche packen — und mit dem Bus vom Hotel zum Trainingsgelände fahren.
„Dort haben wir die Vorrunde gegen Kanada, Bulgarien, Algerien und Südafrika als Zweiter beendet. Das Viertelfinale gegen England ging leider mit 0:2 verloren.“
Neben den Turnierspielen mit je einer Viertelstunde Spielzeit auf einem Dreiviertel-Spielfeld stand auch ein bisschen Sightseeing in der spanischen Hauptstadt an. Das Highlight für Christopher war aber das Platzierungsspiel gegen Japan im Santiago-Bernabeu-Stadion.
„Wir haben Zinedine Zidane getroffen und ich hab’ ihm sogar die Hand gegeben“, erinnert sich Christopher. „Mit Greuther Fürth haben wir schon die Jugend von Bayern München und vom 1. FC Nürnberg besiegt. Aber das Allergrößte war es, einmal im Bernabeu zu spielen.“
Ein Angebot von Real Madrid, lacht er, hat er aber leider nicht bekommen. Noch nicht, denn Christopher will Fußballprofi werden. Und wenn es nicht klappt? „Dann werde ich irgendetwas an der Uni studieren.“                                 CRISTOPH BENESCH

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