Wie hole ich mir Geld aus Brüssel? PDF Drucken

Daniela Kaiser hat Zell- und Molekularbiologie studiert und jobbt jetzt bei der Bayerischen Forschungsallianz. Foto: Stefan HippelDie Bayerische Forschungsallianz berät Wissenschaftler und Firmen, die von der EU gefördert werden möchten

Bier zapfen, Möbel schleppen, Nachhilfe geben – das sind so die Klassiker unter den Studentenjobs. Doch es gibt auch weitaus exotischere Möglichkeiten, neben (oder gleich nach) dem Studium etwas Geld zu verdienen. Einige davon stellen wir in loser Folge unter dem Motto „Extra-Jobs“ vor. Hier: Hilfskraft bei der Bayerischen Forschungsallianz (BayFor).

Wenn sich langsam der Winter einschleicht und es draußen immer kälter wird, beginnt für die Mitarbeiter der BayFor eine heiße Phase. Denn in den Wintermonaten enden viele Bewerbungsfristen um Fördergelder für EU-Projekte. Und das bedeutet für die Fachreferenten des Unternehmens stapelweise Anträge und viele Telefonate und Beratungstermine.

BayFor? EU-Projekte? Fachreferenten? Das sagt euch alles nichts? Vor einem halben Jahr ging es Daniela Kaiser (25) genauso. Sie war auf der Suche nach einem Nebenjob und durchforstete die Jobbörse der Uni Erlangen-Nürnberg. Schnell wurde sie fündig. Das Angebot klang super: flexible Arbeitszeiten, abwechslungsreiche Tätigkeiten.

Vom Arbeitgeber, der BayFor, hatte Daniela zuvor noch nie gehört. Nach einer kurzen Internetrecherche wusste sie Bescheid: „Die Abkürzung steht für Bayerische Forschungsallianz. Das ist ein Unternehmen mit Hauptsitz in München und einem Standort im Haus der Forschung in Nürnberg.“

Seit ihrer Gründung 2006 unterstützt die BayFor Wissenschaftler und Unternehmen in Bayern bei der Einwerbung von EU-Fördermitteln. Die Initiative dazu ging damals von den Hochschulen aus. Ziel war es, die Vernetzung zu stärken und dadurch eine stärkere Position im Wettbewerb um europäische Förderung zu erreichen.

„In der EU-Förderpolitik geht es um den Austausch und die Entwicklung von Wissen und Technologien auf internationaler Ebene“, erklärt Daniela. „In einem Förderprogramm der EU werden die Themen ausgelobt, für die es Fördergelder gibt. Insgesamt stehen über 50 Milliarden Euro dafür zur Verfügung. Um diese Gelder können sich Wissenschaftler mit ihren Projekten bewerben“.

Dass es bei so einer Antragstellung nicht mit einem einfachen Brief getan ist, wird spätestens beim durchstöbern der Internetseite der EU-Komission klar. In so einem Antrag muss nicht nur eine detaillierte Vorstellung des Forschungsprojektes und seiner Ziele hinein, dazu gehört auch ein richtiger Businessplan.

„Für einen potenziellen Antragsteller scheint es fast unmöglich zu sein, diesen Aufwand zu bewältigenden. Da kann man entweder verzweifeln und die Flinte ins Korn werfen – oder sich Hilfe holen“, hat Daniela gelernt. Hier kommt die BayFor ins Spiel. Die Mitarbeiter dort wissen genau, worauf man bei den Anträgen achten muss.

Damit das Unternehmen gezielt zu den oft komplexen wissenschaftlichen Themen beraten kann, ist es in sogenannte Fachreferate eingeteilt. Beispiele sind Medizin, Natur- und Ingenieurwissenschaften, Umwelt und Energie, aber auch Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Beratungsgespräche können ganz unverbindlich sein und einfache Verständnisfragen klären, oder gezielt beim Projektaufbau helfen und den Anträgen den letzten Schliff geben.

Für die Antragsteller aus Bayern ist diese Beratungstätigkeit kostenlos. Der Freisstaat möchte schließlich möglichst viele Fördergelder nach Bayern holen und das Bundesland als Forschungs- und Technologie-Standort noch attraktiver machen.

Wie dankbar die Hilfe angenommen wird, zeigt sich daran, dass das BayFor in den vergangenen fünf Jahren auf etwa 40 Mitarbeiter angewachsen ist. Neben den Fachreferenten und den Verwaltungsleuten sind auch viele Studenten oder frisch gebackene Absolventen wie Daniela darunter. „Wir halten den Referenten den Rücken frei, indem wir Dokumente zusammenfassen, Kontakte verwalten, Präsentationen vorbereiten und das Unternehmen bei Veranstaltungen unterstützen.“

Inzwischen findet Daniela nicht nur diese alltäglichen Aufgaben spannend. „Interessant ist auch der Einblick, den man in die EU-Politik bekommt. Denn Euro-Krise und Bologna-Prozess sind oft die einzigen Stichworte, die einem zum Thema Europa einfallen, wenn man sich nicht näher damit beschäftigt.“

Mit welcher gewaltigen Verwaltungsmaschinerie dafür gearbeitet wird, dass die EU-Mitgliedstaaten zu einer Einheit zusammenwachsen, geht oft unter. „Genau das ist das Ziel der Förderprogramme der EU-Kommission“, sagt Daniela. „Die EU soll schließlich nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern auch in der Realität ein Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort mit gemeinsamen Vorstellungen und Bestrebungen werden, der sich ständig weiterentwickelt.“

Wem München oder Nürnberg dabei noch nicht nahe genug am Geschehen ist, kann auch direkt in Brüssel, dem Sitz der EU-Komission, für die BayFor arbeiten. Dort vertritt sie die Interessen der bayerischen Hochschulen vor Ort durch ihr Verbindungsbüro. Im kommenden Jahr wird Daniela dort ein Praktikum machen und so unmittelbar einen Einblick in die Förderpolitik der EU bekommen.

MICHAELA HEUBLEIN 

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