ER/N hat das teuerste Semester-Ticket PDF Drucken

Foto: Hans von DrraminskiDie Debatte um ein preiswertes Anbebot für Studierende ist mal wieder neu aufgeflammt

Absolute Frechheit“, „Kann man sich kaum leisten“ , „An anderen Unis geht es doch auch“ — so klingen die Proteste vieler Studenten, wenn es um das Semesterticket für Erlangen-Fürth-Nürnberg geht. Der Preis dafür soll im kommenden Semester auf 243,70 Euro erhöht werden.

 

Die Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg hat Einrichtungen in beiden Städten. Ebenso leben viele Studenten aufgrund des Wohnungsmangels in Erlangen in Nürnberg oder Fürth. Oder sogar in Schwabach oder Ansbach — Fahrtziele, zu denen man mit dem bisherigen Ticket nicht einmal kommt.

Ein Semesterticket kostet in Zukunft 243,70 Euro. Da es nur vier Monate lang gültig ist, kommen die Studenten auf einen monatlichen Preis von 60,93 Euro. Die Metropolregion hat damit den 1. Platz in einer Rangliste der teuersten Semestertickets bundesweit. Der durchschnittliche Preis an 56 deutschen Unis liegt bei 18,67 Euro pro Monat.

Trotz vieler Proteste in der Vergangenheit hat sich bisher nichts geändert. Deshalb gründete der Psychologiestudent Till Müller (27) eine Facebook-Gruppe: „Das Thema Semesterticket hat mich schon sehr lange beschäftigt. Da ich wissen wollte, wie vielen es genauso geht, habe ich diese Gruppe gegründet. Die Resonanz zeigt mir, dass wir etwas erreichen können.“

Bereits in den ersten 24 Stunden hatte Tills Facebook-Gruppe 2500 Mitglieder. Derzeit sind es 3528. Denn kaum ein Bus und/oder Bahn fahrender Student ist zufrieden mit der jetzigen Situation.

So auch Carina Cichon, die in Fürth lebt, weil sie „in Erlangen keine bezahlbare WG gefunden“ hat. Die Studentin finanziert ihr Studium hauptsächlich durch Bafög. „Da das Ticket so teuer ist, muss ich mich mit meinem begrenzten Budget schon stark einschränken“, sagt die 23-Jährige. „Zur Zeit überlege ich, was ich mir für die Semesterferien einfallen lasse, da ich zwar nicht jeden Tag, aber dennoch regelmäßig nach Erlangen fahren muss und Einzelfahrten auch sehr teuer sind.“

Außerdem hält es Carina für „ungerecht, dass man über 240 Euro bezahlt und dafür nur die Strecke zwischen Erlangen und Nürnberg zurücklegen kann. Das Ticket sollte mindestens bayernweit gelten.“
Das sehen auch viele andere Studenten so. Die Facebook-Gruppe fordert die baldige Umstellung auf ein bezahlbares Semesterticket für den gesamten Großraum des VGN (Verkehrsverbund Großraum Nürnberg). Und das soll ein ganzes Semester, also sechs Monate lang, gelten.

Das große Problem dabei: Laut VGN kann das Ticket nur dann billiger werden, wenn mehr als bisher verkauft werden. Das wiederum wäre über einen Pflichtbeitrag für jeden FAU-Studenten möglich.
Der Haken dabei ist: Vielen Studenten, die lieber mit dem Rad fahren, passt das Pflichtmodell natürlich nicht. „Außerdem gibt es ein Gesetz, nach dem ein Student pro Semester höchstens 65 Euro Eigenbeitrag leisten darf“, erklärt Till.

Der VGN indes schlägt einen Betrag von 120 Euro pro Semester vor. Falls also ein solcher Pflichtbeitrag eingeführt wird, besteht die Gefahr, dass Studenten dagegen klagen. „Eine andere Idee wäre, ein Sockelmodell einzuführen, bei dem jeder Student einen Grundbetrag bezahlt. Wer das benötigt, kann dann sein Ticket für mehr Zonen aufstocken“, meint Till. Jetzt plant er eine Umfrage unter allen Studenten der FAU, „damit wir wissen, wie viel jeder bereit wäre zu zahlen. Das Wichtige ist, dass wir präsent bleiben und alle Parteien an einem Strang ziehen.“

LENA KÖHNLEIN

Wir haben den Leiter des Studenten-Werks Erlangen-Nürnberg, Otto de Ponte, zu der Debatte um das Semester-Ticket befragt. Hier findet Ihr das Interveiw.

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Erika Prummer   |IP-212.34.180.xxx |16-02-2012 18:36:33
"Absolute Frechheit"…
...das kann ich nur bestätigen! Unsere
Tochter studiert seit Oktober an der FAU und ist jeden Tag auf die Verbindung
von Unterferrieden (Gemeinde Burgthann) nach Nürnberg angewiesen.
Abgesehen
von der schlechten Verbindung - Busse werden immer mehr eingespart; es fährt
kein Zug mehr direkt nach Erlangen (früher schon) und Züge fallen aus -

zahlen wir inzwischen für das Ticket über € 120,-- pro Monat.
Außerhalb
der Städteachse Nürnberg/Fürth/Erlangen wird nicht einmal ein Semesterticket
angeboten!
Eine Wohnung in Erlangen - Fehlanzeige! Studieren ist eben doch ein
Privileg, dass sich nicht jeder leisten kann.
Ich hoffe sehr, dass sich das in
Zukunft noch ändert!
R. Nagel  - Es geht auch anders...   |IP-79.249.112.xxx |18-02-2012 17:44:49
hier ein Beispiel von der TU Dresden: das Semesterticket dort kostet 145,20
Euro, gilt vom 01.10. bis 31.3. (bzw. vom 1.4.bis 30.9.) und ist, da es
gleichzeitig der Studentenausweis ist, verpflichtend für alle Studenten. Es
gilt nicht nur für den Verkehrsverbund Oberelbe (rund 50 km in alle
Richtungen), sondern auch für Regionalzüge der DB in ganz Sachsen. Die
Taktzeiten der Straßenbahnen in Dresden sind so, dass sogar eingefleischte
Fahrradfahrer (aus Erlangen) auf die Straßenbahn umsteigen. Ein Auto braucht
man dort nicht. Sicher kann man nicht alles 1:1 im Großraum hier umsetzen, aber
ein bisschen Bereitschaft, alles durchzurechnen, sich gute Erfahrungen von
anderen abzuschauen, kann doch auch beim VGN gefordert werden.

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