Arbeiten, wenn andere Party machen PDF Drucken

Marie hat ihren Nebenjob im Nachtleben gefunden: Sie arbeitet in einer Nürnberger Discothek an der Bar. Foto: privatTürsteher Matze, Eventfotograf Thomas und Barkeeperin Marie stehen auf der anderen Seite des Nachtlebens

Freitags pünktlich um 22 Uhr startet das Nürnberger Nightlife. Tanzen, flirten, feiern – eine lange Nacht steht bevor: Drei Menschen, die arbeiten, wenn andere Party machen, erzählen, was hinter den Kulissen so abgeht.

Seit zwölf Jahren steht Mathias Wahl (30) als Aufpasser vor den Pforten Nürnberger Clubs – ein Türsteher mit Leib und Seele. „Ich werde allerdings nicht nur von einer einzigen Disco beschäftigt. Ich bin bei einer Securityfirma angestellt. Dort werde ich zu verschiedenen Events vermittelt“, erklärt Matze. Im Moment kommt er meistens bei Disco- und Konzertveranstaltungen des Nürnberger Hirsch zum Einsatz.

Mit 18 Jahren jobbte Matze noch in einem Getränkemarkt. Auf einem Rockkonzert schlenderte er dann einfach mal aus Neugierde zum Securitypersonal und bewarb sich. Und schwuppdiwupp, zwei Monate später hatte er schon seinen ersten Probeeinsatz. So mir nichts dir nichts wird man nicht Türsteher. Matze sagt: „Davor musste ich noch eine Schulung besuchen.“

Matze steht an der Tür des Hirsch und tastet die Gäste nach gefährlichen Gegenständen ab. Einfach ist sein Job nicht – als Security muss er viel aushalten können.  Foto: Eduard WeigertAm liebsten bewacht der 30-Jährige bei kleineren Konzerten die Tür. „Bei der Vorstellung, ich müsste bei Rock im Park einen Zaun bewachen. Puhh, da schlafe ich jetzt schon ein vor Langeweile! Man darf den Job als Türsteher aber nicht unterschätzen“, erklärt er. „Wir sind immer auf der Suche nach Leuten, die Lust haben, im Security-Gewerbe zu arbeiten. Allerdings sollte man seine Fähigkeiten und seinen Geduldsfaden realistisch einschätzen können. Rambos und Pöbler können wir nicht brauchen!“

Weil ihm der Beruf des Türstehers so gefällt, ist Matze schon so lange dabei. Der Job ist abwechslungsreich und man steht immer in engem Kontakt zu Kollegen und Gästen – trotz der Betrunkenen, die rumpöbeln und beleidigen. „So ein öder Fließbandjobwäre überhaupt nichts für mich!“ Das Schönste für Matze ist, wenn ein Abend ohne größere Störungen verläuft und der Manager nach dem Event dem Sicherheitspersonal ein fettes Lob ausspricht.

Auch Thomas Tietz (36) ist nachts in den Nürnberger Clubs anzutreffen – als Fotograf schießt er für Eventportale im Internet Partybilder. „Eigentlich bin ich ja Banker“, erzählt Thomas. „Die Fotografie ist aber meine Leidenschaft.“

Thomas ist Eventfotograf und arbeitet in Discotheken oder Clubs. Er hat auch schon einige Prominente vor seiner Linse gehabt. Foto: privatThomas startet um halb zwölf. Im Club angekommen, werden erst mal alte Bekannte begrüßt: „Da ich schon lange als Eventfotograf unterwegs bin, kenne ich viele Gesichter des Nachtlebens. Dieses Familiengefühl ist unheimlich schön!“

Wenn sich der Club füllt, fotografiert der 36-Jährige einfach drauf los. Klingt leichter als es ist. Aber jeder Shot muss manuell an der Kamera eingestellt werden. Das ist bei den blinkenden Discolichtern und der Dunkelheit eine knifflige Angelegenheit. Sobald Thomas genügend Aufnahmen hat oder nichts mehr los ist, beginnt der zweite Teil der Arbeit. „Zu Hause sitze ich noch ein oder zwei Stunden vor dem PC. Ich wähle die besten Bilder aus, bearbeite sie nach und lade sie dann ins Netz hoch.“

Als Eventfotograf hat Thomas schon viel erlebt: Heiratsanträge, Schlägereien und nackte Haut gehören zu seinen Motiven wie Promis, von denen er schon einige vor die Linse bekommen hat. Beispiele: der deutsche Rapper Sido, Jörn Schlönvoigt von GZSZ und Peyman Amin von Germanys Next Topmodel. „Der amerikanische Rapper Lil Jon war mein persönliches Highlight! Ich durfte sogar aus seinem berühmten Kelch trinken, das war geil!“

Was Thomas gegen den Strich geht, sind respektlose Gäste: „Wenn jemand meine 2000-Euro-Ausrüstung anfasst oder mich lächerlich macht, werde ich fuchsig. Ich möchte als Fotograf ernst genommen werden!“
Auf der Suche nach einem coolen Nebenjob neben dem Studium, der Spaß macht und angesagt ist, war dagegen Marie Beer (20) nach dem Abitur. Über Facebook kam sie auf die Idee, sich als Thekenkraft zu bewerben. Seit einem halben Jahr steht die 20-Jährige hinter der Bar einer beliebten Nürnberger Disco und schüttelt den Cocktailshaker was das Zeug hält.

Um 23 Uhr geht’s bei ihr los! „Um diese Uhrzeit ist meistens noch kein Gast da“, sagt Marie. „Da kann ich mit meinen Kollegen chillen und ein bisschen schwätzen. Um halb zwölf trudeln dann schon die ersten Feierwütigen ein und ab Mitternacht ist dann richtig Party angesagt.

Bis halb drei ist Stress pur Maries Begleiter, um drei kann sie endlich durchschnaufen. „Wenn sich der Ansturm auf die Bar gelegt hat, kann ich mit den anderen Barkräften mit dem Putzen anfangen.“ Das Saubermachen ist ein wichtiger Bestandteil des Jobs: Wenn die Leute um fünf vor die Tür gesetzt werden, muss die 20-Jährige noch die Theke putzen, Gläser polieren und die Kühlschränke mit Getränken auffüllen. „Jedes Mal komme ich zu einer anderen Uhrzeit raus, mal um halb sechs oder um halb neun“, sagt die Studentin.

"Der Mittagsschlaf ist an Tagen wie diesen ein Muss, sonst stehe ich das nicht durch“, berichtet Marie. Auf die Frage, warum sie sich das antut, antwortet sie schmunzelnd: „Es ist einfach eine coole Atmosphäre, wie Partymachen! Die Leute, die gute Stimmung und die geile Musik – das putscht mich total auf und gibt mir Energie für die Nacht!“

Und wenn dann noch ihre Freundinnen auf ein „Hallöchen“ vorbeischauen, freut sich die Studentin riesig. „Manchmal ist es aber schon ziemlich ätzend, wenn meine Familie sich am Samstagabend aufs Sofa kuschelt und ich muss mich fertig machen und arbeiten gehen“, gibt sie zu.

Dafür ist der Job als Barkeeper nie langweilig – mindestens einmal pro Abend kringel ich mich schief vor Lachen. Hinter der Bar hat sie eine gute Aussicht über das Discogeschehen. Da erleichtert sich der ein oder andere Gast schon mal in den Abräumerkisten mit den schmutzigen Gläsern oder frisch 16 gewordene Jünglinge baggern die 20-jährige Barkeeperin hemmungslos an: „Ey Süße, hat's eigentlich weh getan, als du vom Himmel gefallen bist?“ Räusper !

Und auf die Palme bringen Marie vor allem betrunkene Kerle. „Typen, die eindeutig zu tief ins Glas geschaut haben, werden aufdringlich. Und viele denken, sie wären die Oberplayer und müssten mir demonstrieren, wie viel Kohle sie scheffeln!“ – das nervt!

MARIA HEINRICH

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