dEUS: Keep You Close PDF Drucken

So sieht das Cover des Albums aus. Foto: PRGefühlsexplosionen jenseits des klassischen Indie-Pop

 Mit einer geballten Ladung cineastischem Pomp, komplett mit Streichern und bedeutungsschwangerem Schlagzeug zeigen dEUS gleich zu Beginn ihres neuen Albums „Keep You Close“ (PIAS / Rough Trade) mit dem Titelsong, wohin die Reise gehen soll: In das Reich der großen, bombastischen Gefühle.

 Doch keine Angst: dEUS als alte Helden des Indie-Pop der 1990er setzen natürlich nicht auf reinen Bombast-Rock. Behutsam baut das Quintett um Sänger Tom Barman seine Songs auf elektronisch anmutenden Schlagzeug-Samples auf, verpackt Melancholisches in umschmeichelnden Melodien, bevor dann gewaltige Gefühlsexplosionen das Herz vor Inbrunst bersten lassen und auch beim Hörer feierlichen Enthusiasmus hervorrufen.

Da ist etwa das mystisch tappende „Dark Sets In“, das sich plötzlich in einen brausenden Wirbelsturm verwandelt und mit den Zeilen „Inside, outside, you're tearing me“ eine gewaltige Zerreißprobe verdeutlicht. Oder „Twice“, das so gemächlich beginnt und dann mit einem Knall die Konfetti-Kanonen im Kopf explodieren lässt. Höhepunkt ist aber das fabelhaft verspielte „Ghost“, in dem sich Tom Barman zunächst als G-Funk-Rapper übt und dann, angetrieben von peitschenden Drums, einen ganz großen Pop-Moment hervorzaubert.

Genau wie die Songs immer mehr Anwachsen, gewinnt auch das Album mit jedem Hördurchgang. „Keep You Close“ ist eine Platte, in die man sich hineinarbeiten muss, die einen dafür aber reichlich belohnt.

Etwas gewöhnungsbedürftig zeigt sich aber die zweite Hälfte des Albums. Das funkige, mit Bläsern aufgehübschte „Constant Now“ mag ja noch als nette 80er-Jahre-Spielerei mit fiesen „Is it all you got for your money“-Shouts durchgehen, „The End Of Romance“ ist dann aber endgültig jenseits von Gut und Böse. Wie in einer zweitklassigen Sex-Klamotte flüstert Barman mit Reibeisenstimme geschlagene zweieinhalb Minuten lang schmierig vor sich hin bis der Gesang endlich einsetzt. Es fehlt nur noch das Ploppen eines Sektkorkens und das Perlen des Schaumweines, um das Grauen perfekt zu machen. Erlösung bietet dann immerhin „Second Nature“, das einfach nur geschmeidiger Pop sein will, bevor das Album dann mit „Easy“ einen würdigen, bombastisch-düsteren Abschluss findet.
 
MARTIN MÜLLER

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