Ertrunken im Bombast PDF Drucken

altColdplay überladen ihr Album Mylo Xyloto mit Pathos

 

Beim Festival Rock im Park in Nürnberg feierten Coldplay, die britischen Meister des Bombast-Pop, in diesem Jahr die Weltpremiere ihrer neuen Songs, seit ein paar Wochen gibt es diese mit dem Album Mylo Xyloto auch als Tonträger.

Manchmal könnte man ja schon befürchten, dass sich Coldplay-Sänger Chris Martin zunehmend in Justin Timberlake verwandelt. Zum Beispiel, wenn man Princess Of China hört, das Duett mit R&B-Sternchen Rihanna, bei dem er über einer Wand von Synthesizern neben den unvermeidlichen O-o-o’s schwülstigsten Liebensschmerz von sich gibt.

Dabei geht alles so gut los auf dem Album mit dem Fantasie-Titel Mylo Xyloto. Hurts Like Heaven erinnert gleich zu Beginn an leichtfüßigen, verspielten Franzosen-Pop à la Phoenix. Mit Paradise folgt der Überhit mit stadiontauglichem Refrain und der Garantie für ohnmächtige Mädchen.
Haben Coldplay diesmal tatsächlich alles richtig gemacht? Ertrinkt der Breitwand-Pop nicht wieder im Pathos, sind die Songs wirklich mehr als aufgeblasene Hüllen?

Mitnichten. Denn arg platt und belanglos geht es weiter. Coldplay haben viel vor und wenig dahinter, reihen nur ein Bombast-Versatzstück an das andere, liefern abwaschbaren Pop ohne Ecken und Kanten. Ein Konzept, das nur bei Paradise aufgeht.

Ansonsten überzeugen vor allem die Songs, die von dieser Reizüberflutung abweichen, etwa das angenehm reduzierte und berührende Us Against The World. So manch einer mag sich da den simplen Charme des Debüt-Albums Parachutes zurückwünschen, als noch nicht jede schöne Melodie mit Klangtapeten zukleistert wurde.

Höhepunkt des Albums ist mit dem rohen Major Minus ein Song, bei dem sich Coldplay einen echten Freak-Out-Moment gönnen, Blues-Elemente einstreuen und den Weichspüler komplett weglassen. Doch dann ist ganz schnell wieder die Luft raus. Don’t Let It Break Your Heart und Up With The Birds sind vorhersehbare Stadion-Pop-Balladen, bei denen der Bombast nicht über die fehlende Substanz hinwegtäuscht.

Coldplay zeigen durchaus vielversprechende Ansätze auf ihrem fünften Werk. Doch die gehen eben unter bei all den Möchtegern-Hymnen. Ohne Zweifel kann man mit diesem rauschhaften Album viel Spaß haben, aber es ist eben wie bei jedem Rausch: Danach kann man sich an nichts mehr erinnern.

 

MARTIN MÜLLER

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