Wrongkong: So Electric PDF Drucken

Das Quintett „Wrongkong“ beim Videodreh zur neuen Single „My Dearest Enemy“ (von links): David Lodhi, Claus Friedrich, Cyrena Dunbar, Markus Wurm und Thomas Wurm.Foto: Frank Schuh Großes Potenzial in mundgerechten Happen

 Eingängig, aber nicht zu platt. Diesen Spagat kriegen nur wenige Popbands hin. Wrongkong beherrschen diesen Spagat, auch wenn sie selbst mit dem Begriff „Popband“ wenig anfangen können. „Radiohits For Idiots“ heißt eine der Nummern auf dem neuen Album der fränkisch-kanadische Gruppe. Ein freundlicher Gruß an alle, die sich täglich dem musikalischen Junkfood aussetzen, vielleicht aber auch ein ironisches Spiel mit der ewigen Glaubensfrage, ob eine Band nun Ausverkauf betreibt, sobald sie ihre Songs im Radio spielen lässt.

 Wrongkong können definitiv im Radio laufen. Vielleicht nicht unbedingt bei Bayern 3, aber bei vielen anderen Sendern mit etwas mehr Musikgeschmack. „So Electric“ hat jedenfalls das Potenzial, eine größere Zielgruppe zu erreichen als die, die dem Nürnberger Quintett bislang vergönnt war. Der Opener „Hearts Are Breaking Hearts“ zieht einen sofort hinein in dieses Universum aus euphorischen Melodien, mitreißenden Refrains und immer wieder bewusst eingestreuten Stolperfallen. Zu einfach möchten sie es ihren Hörerinnen und Hörern auch nicht machen, obwohl der Hang zu tanzbaren Discopop-Songs immer wieder klar erkennbar ist.

 „Crystal Clear“ trällert Sängerin Cyrena Dunbar, während die anderen Bandmitglieder stoisch Gitarre, Schlagzeug, Bass und Keyboard bearbeiten. Die Single „My Dearest Enemy“ überrascht zunächst mit einer Ode an den Klassiker „Eye Of The Tiger“ der 80er Rockgruppe Survivor, bevor Dunbar in bester Sophie Ellis-Bextor-Manier den Song an sich reißt. Keine Frage, hier hat jemand aufgepasst in den letzten 30 Jahren Musikgeschichte. Zum Glück drücken uns Wrongkong dieses Fachwissen aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger auf, sondern servieren uns ihre smarten Ideen in kleinen mundgerechten Portionen. Manchmal klingt das dann fast etwas zu harmlos, und gerade in der zweiten Hälfte des Albums ist die Hit-Dichte dann nicht mehr ganz so hoch wie noch zu Beginn, aber das ändert nichts daran, dass „So Electric“ ein erstes Glanzlicht im noch jungen Musikjahr 2012 darstellt.

SEBASTIAN GLOSER

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