Gotye: Making Mirrors PDF Drucken

So sieht das Cover des Albums aus. Foto: PRPop vom anderen Ende der Welt

 

Vom Himmel gefallen ist Wally de Backer alias Gotye wahrlich nicht, schließlich macht er schon lange Musik, hat bereits im Jahr 2003 sein erstes Album „Boardface“ veröffentlicht und in seiner australischen Heimat etliche Preise abgeräumt. Trotzdem war der ungewöhnliche Pop-Entwurf des 31-Jährigen hierzulande nicht mal Fachleuten bekannt. Bis das ausgefallene Stop-Motion-Video zu „Somebody That I Used To Know“ bei YouTube auftauchte, für Begeisterungsstürme sorgte und bis heute rund 26 Millionen Klicks angesammelt hat.

Ein ungewöhnlicher Hit. Ist doch Gotyes Pop doch keiner der aalglatt produzierten oder gar gecasteten Art, sondern das Ergebnis von jahrelangem Sound-Gebastel in einer einsamen australischen Scheune. Gefällig und perfekt für das Mainstream-Radion konzipiert sind die Songs natürlich trotzdem, aber eben einen Tick versponnener, verquerer und eigenwilliger als die Konkurrenz. Oder kann sich jemand erinnern, wann Rihanna oder Mariah Carey das letzte Mal in einem Antiquitätenladen eine alte Chromaharp gefunden und dann virtualisiert haben? Oder wann sie ihr Spiel auf dem Winton Musical Fence, einer Klanginstallation aus Zaunpfählen und Metallseilen im australischen Outback, mit einem tragbaren Kassettenrekorder aufgenommen haben?

Gotye hat genau das und noch viel mehr getan. Herausgekommen ist das Album „Making Mirrors“ (Vertigo Berlin/Universal), das einige großartige Schmankerl bereithält. Das schleppende „Smoke And Mirrors“ etwa mit seinem geheimnisvollen Varieté-Sound oder das zarte, verletzliche „Don't Worry, We'll Be Watching You“. Schwungvoll kann Gotye aber auch sein, etwa in dem freakigen Rocker „Easy Way Out“, der ein wenig an die belgischen Sound-Tüftler Soulwax erinnert, oder in dem stürmischen „Eyes Wide Open“. Zugegeben zeitweise plätschert „Making Mirrors“ etwas arg banal vor sich hin, liefert Chart-Pop mit anderen Mitteln. Doch immerhin bleiben diese anderen Mittel stets interessant und spannend.

MARTIN MÜLLER

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