Wasted sind weiter PDF Drucken
Samstag, 09. Juli 2011

Foto: Christian DeckelmannDie 2. Vorrunde der NN-Rockbühne 2011: Hardrocker aus Forcheim auf dem Treppchen 

Es war eine starke zweite Vorrunde der NN-Rockbühne 2011, da waren sich hinterher alle einig. Mit einer erfrischenden Glam Rock/Hair Metal-Show kämpften sich Wasted aus Forchheim am Ende aufs Siegertreppchen. Und das, obwohl die Konkurrenz an diesem Abend wahlweise viel erwachsener klang oder aber handwerklich alles in den Schatten stellte ...

Die Ramones, Metallica – nur die Besten steigen zu Ennio Morricones unsterblichen Italo-Western-Klängen („The Good, The Bad And The Ugly“) in den Ring. Und Wasted. Trotz reichlich rumpeligem Gesamteindruck erobern die frechen Hardrocker aus Forchheim die Herzen von Jury und Publikum im Sturm - und das mit einem Sound, wie man ihn seit dem Debütalbum der unvergessenen Haarspray-Rocker Poison (1986 - unbedingt mal nach Fotos googeln) nicht mehr erlebt hat.

Meinen Wasted das wirklich ernst? Parodie hin, Herzensangelegenheit her: Die Protagonisten sind hier definitiv viel zu jung für den Sound, den sie spielen. Musik, Styling und vor allem die Bühnenshow – auf allen Kanälen geht es zurück ins Los Angeles der finstersten 80er Jahre. Schon das erste Gitarrensolo spielt Chris Güthlein auf den Knien, während Sänger Gabriel Tarmassi seinen Mikrofonständer befingert, als sei’s der Verschluss von Megan Fox’ Bikinioberteil. Erste Regel im GlamRock: Hauptsache, es sieht geil aus!

Ohne Bier und Groupies

Nach einer lustigen Dreiviertelstunde mit gleichermaßen schrägen wie herzzerreißenden Rock’n’Roll-Geschichten steht zumindest eines fest: Eine Poser-Truppe wie Wasted gab es in der bewegten Geschichte der NN-Rockbühne noch nie. Trotzdem: Sollte es die fröhliche Bande am Ende ins Finale schaffen, wären ein paar konzentrierte Sessions im Übungsraum schon noch dringend anzuraten – ohne Bier und Groupies, versteht sich.

Das exakte Gegenteil von Wasted sind Wegweiser aus Dinkelsbühl. „Alles roger, alles im grünen Bereich“ lautet hier nicht nur eine markante Textzeile – was die sechs Musiker an diesem Abend auffahren, ist ein durch und durch perfektes Pop-Produkt. Deutschrock mit Sternchenaugen, der aller handwerklichen Klasse zum Trotz für manches Ohr ein wenig arg glatt und geschleckt klingt. Man sollte Musikern ihre Professionalität nicht vorwerfen, aber Wegweiser, die bereits auf Bayern 3 gespielt werden und im Quibble mit eigenem Mischer und Merchandise anrücken, sind der NN-Rockbühne als Nachwuchs-Bandforum schon dreimal entwachsen. Sorry, Leute. Aber schön, dass Ihr dabei wart.

Als Nachwuchs-Hoffnung im besten Sinne gehen hingegen die Grand Splinters aus Nürnberg durch, die vor allem eines sind: Unheimlich süß. Liegt’s an der Justin-Bieber-Gedächtnisfrisur von Sänger Philipp Partosch, dass dem Quintett die Herzen der Damen im Dutzend zufliegen? Das wäre dann doch zu einfach, denn auch musikalisch lassen die Jungspunde (Durchschnittsalter: 15!) nichts anbrennen: Ihrem radio- und Schulball-kompatiblen PopRock mangelt es nicht an Melodie, Eingängigkeit und Spielfreude.

Foto: Christian DeckelmannDaumen hoch

Daumen nach oben auch für die Jetpack Elephants aus Nürnberg, deren Sound sich munter aus den Sektoren Indie, Alternative und BritPop speist. Über allem schwebt eine leicht melancholische Note, die die älteren Semester im Saal an The Smith und die jüngeren an die Arctic Monkeys denken lässt – wäre da nicht diese lässig-unbekümmerte Surfgitarre, die alles wieder aufbricht und ein ums andere Mal interessante Akzente setzt.

STEFAN GNAD

 

 

Zur Bildergalerie mit Schnappschüssen des Abends von unserem Fotografen Christian Deckelmann gehts hier entlang!

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