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agikakaluna! musiziert mit einer alten Spielekonsole
Das Stichwort heißt Chiptune, das Musikinstrument ist ein antiker Game Boy: Damit rockt ein junger Student aus Neumarkt Discotheken und Club-Bühnen. Willkommen in der piepsenden Vintage-Welt von agikakaluna!
Als kürzlich beim Gastspiel von HipHop-Hipster Casper im ausverkauften Nürnberger Löwensaal die Vorband ausfiel, durfte er von jetzt auf gleich ran – und rockte souverän den Saal. Der Clou: agikakaluna! ist nicht nur ein Ein-Mann-Projekt. Der junge Oberpfälzer musiziert mit dem Game Boy! Und zwar mit dem allerersten aus dem Jahr 1989...
Zur Erinnerung beziehungsweise für die Nachgeborenen: Das Ding war unheimlich klobig, für den Betrieb brauchte es ein halbes Kraftwerk (vier Batterien). 3D? Von wegen: Das Teil hatte noch nicht mal Farbe! Auf einem kleinen Grün-Bildschirm zockte man so simple wie geniale Klassiker wie „Tetris“, „Dynablaster“, „F1 Race“, „Super Mario Land“ und „The Legend Of Zelda”.
So, wie der Game Boy Classic längst Teil der Pop-Kultur ist, genießt auch sein markantes 8-Bit-Gepiepse weltweit Kultstatus – und ist tatsächlich einzigartig, schenkt man Aukha Stoppa, dem Mensch hinter agikakaluna!, Glauben. „Das Ding ist großartig und hat den besten Sound von allen Konsolen. Der Game Boy Advance von 2001 klingt da schon merklich dünner, außerdem rauscht er wie die Angst. Natürlich sind die musikalischen Möglichkeiten sehr limitiert, es stehen einem nur vier Kanäle zur Verfügung. Aber genau das ist der Spaß und die Herausforderung dabei!“
Trommel passte nicht in den Koffer
Mit seinen 21 Jahren ist der Student aus Neumarkt eigentlich viel zu jung für den Videospiel-Oldtimer. Doch darum geht es gar nicht. Weder ist Aukha mit dem Game Boy aufgewachsen („ich hatte nie einen“), noch kommt er aus der Gamer-Ecke. Das Handheld war für ihn von Anfang an immer nur Instrument – und als solches Mittel zum Zweck.
Eigentlich kommt Aukha aus dem Rock, spielte früher Schlagzeug in der Band seines Bruders. Als er 2008 im Rahmen eines Schüleraustauschs nach Australien ging, konnte er seine Trommeln nicht mitnehmen, wohl aber einen Game Boy. Noch im Flieger entstanden die ersten Lieder, und das ist bis heute so geblieben: Wenn ihr im Zug zwischen Neumarkt und Erlangen einen Typen hochkonzentriert über einer vorsintflutlichen Spielekonsole hängen seht – es könnte Aukha sein!
Wie das technisch funktioniert mit dem Chiptune – Aukha hat es mir ein paarmal erklärt, so ganz kapiert habe ich es allerdings nicht. Aus dem Internet lädt sich der Bastler ein spezielles Programm herunter, brennt es auf eine leere Spiele-Karte und schiebt diese in seinen Game Boy Classic.
Jetzt kann er den Soundchip der Konsole direkt ansteuern und ihn nach Herzenslust piepsen und wimmern lassen. Manches Mal muss er dabei ein wenig tricksen, zum Beispiel ein Rauschen so programmieren, dass es wie Percussion klingt.
Das Handheld selbst hat der Neumarkter nur geringfügig modifiziert: An den Soundchip hat er eine zusätzliche Cinch-Buchse angelötet, über die er den Game Boy direkt ans Mischpult andocken kann. Den Rest besorgt der Musiker selbst, programmiert seine Sounds und Beats im Discolicht mit fliegenden Fingern ein und feuert sie ab. Da bleiben oft nur wenige Sekunden, um Spuren zu wechseln und Parameter zu verändern.
Auf der Bühne hat agikakaluna! bis zu drei Game Boys parallel im Einsatz, die sich die Loops und Sequenzen gegenseitig zu- und so im Ensemble fröhlich aufspielen. Muss man live erleben, zum Beispiel am 7. Januar, wenn der Nintendo-Rocker im „Cooper’s“ in Neumarkt die Bits tanzen lässt, oder am 14. Januar beim „innen:welt.“-Festival im Kafe Kult in München.
STEFAN GNAD
www.facebook.com/agikakaluna
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