Dem großen Traum näher kommen PDF Drucken

Tamara (19) und Shaun (21) greifen schon einmal nach den Sternen: Sie machen eine Ausbildung an der „Neuen Schauspielschule“ in Nürnberg, um sich irgendwann bis zum Film hochzuarbeiten. Montage: Bronislav HavaAn der „Neuen Schauspielschule“ in Nürnberg könnt ihr euch ausbilden lassen

Du hast schon immer davon geträumt, Schauspieler zu werden? Ein erster Schritt in Richtung Traumberuf „Schauspieler“ kann eine Ausbildung an einer Schauspielschule sein. Und dafür musst du nicht eben mal nach New York oder Paris jetten. Auch in Nürnberg gibt es eine Schule, an der du das nötige Handwerk zum Schauspielern lernen kannst.

„Stille im Raum. Ein großer Mann beugt sich drohend über eine verängstigte Frau. „Ich habe dich beobachtet. Schon die ganze Zeit“, flüstert er ihr zu. Sie drückt sich in die Ecke des Sofas, ihre Augen irren verzweifelt im Raum umher, suchen nach einem Ausweg. Auf einmal liegt er auf ihr, presst sich auf sie und lässt sie nicht mehr los. Cut. „Gut. Wunderbar!“, ruft Schulleiter Irfan Taufik. So oder so ähnlich sieht ganz normaler Unterricht an der „Neuen Schauspielschule“ in Nürnberg aus.

Die Schule im Loni-Übler-Haus in Nürnberg gibt es seit gut einem Jahr. Gegründet wurde sie von Irfan Taufik (31) und Klaus Mallwitz (54), die neben dem Schauspielern zum Beispiel auch als Regisseure oder Drehbuchautoren gearbeiten haben. „Wir kannten uns schon lange und hatten dieselben Ideen und Ansichten. Ich wollte weitergeben, was ich selbst gelernt habe“, sagt Taufik.

Mittlerer Abschluss erwünscht

Drei Jahre dauert die Ausbildung an der Schule. Bewerben kann sich jeder, der zwischen 17 und 25 Jahre alt ist, und am besten mindestens den mittleren Schulabschluss hat. In einer Aufnahmeprüfung muss der Bewerber zwei Monologe vortragen. Genügt dieser Eindruck den Prüfern noch nicht, muss vielleicht noch eine Szene improvisiert oder vorgesungen werden. „Wir wollen herausfinden, ob die Person richtiges Interesse hat. Es muss ein Kern bei dem Schüler da sein. Ein Gefühl das uns sagt, der wird hart arbeiten“, erklärt Taufik.

Im Moment gibt es zwei Jahrgänge, die aus insgesamt 18 Leuten bestehen. Unterrichtet werden die Schüler von den beiden Schulleitern und anderen Dozenten. Die Fächer reichen von Theorie (zum Beispiel Deutsch und Theatergeschichte), über Bewegung (das heißt Tanz und Körpertraining) und Stimme (Sprecherziehung, Stimmbildung und Gesang) zu Schauspiel (unter anderem Szenenstudium und Improvisation). Ziemlich viel auf einmal also. Den Schulleitern ist eine Rundum-Ausbildung wichtig. „Die Fächer ergänzen sich. In Theatergeschichte bekomme ich zum Beispiel Hintergrundwissen vermittelt, im Körpertraining konzentriere ich mich voll auf meine Körpersprache. Beim Spielen kann ich das dann alles anwenden“, sagt Taufik.

„Das Ganze ist wirklich anstrengend“, meint Tamara Longo (19), die vor ein paar Wochen in die Ausbildung gestartet ist. „Aber es macht wahnsinnig viel Spaß! Anfangs hatte ich zwar Angst, dass ich mich mit meinen Mitschülern nicht verstehe, oder dass ich alles nicht so schaffe, wie ich es mir vornehme. Mittlerweile klappt alles richtig gut.“

Schon während ihrer Schulzeit hat Tamara in einer Theatergruppe mitgespielt, später im Jugendclub im Theater Ansbach. Ihr Traum ist es, sich irgendwann bis zum Film hochzuarbeiten. Doch egal ob Schauspielkarriere oder nicht – aus der Ausbildung wird sie einiges an Erfahrungen mitnehmen, glaubt sie: „Du lernst dich selbst besser kennen und wirst selbstbewusster. Durch das Arbeiten in der Gruppe musst du andere Einstellungen akzeptieren und Kompromisse eingehen können – und das ist ja auch für später wichtig.“
Shaun Gaunty (21) ist ein Schüler aus dem zweiten Jahrgang. Er freut sich, dass mittlerweile mehr Praxis auf dem Stundenplan steht. Denn am Anfang hat der Unterricht gar nicht seiner Vorstellung von einer Schauspielausbildung entsprochen.

Viele Grundübungen

„Wir haben bis vor ein paar Monaten nichts an Stücken gespielt. Wir haben Übungen gemacht und uns zum Beispiel vorgestellt, dass wir ein Blatt oder ein Tier sind. Außerdem sind wir viel im Raum rumgelaufen. Das hat mich ziemlich irritiert!“, lacht Shaun. Durch Gespräche zu anderen „Schauspielazubis“ hat er aber festgestellt, dass das alles nicht so unnormal ist.
„Mittlerweile merke ich, dass es eine gute Grundlage war“, sagt Shaun. Ab Oktober hat er ein Engagement am Gostner Hoftheater, das bei der Schule um junge Schauspieler angefragt hat. „Ich denke, es ist gut, eine Schauspielausbildung zu machen. Man kann sich eine richtige Vorstellung vom Schauspielern machen und alles von Grund auf lernen.“

Ein Problem für einige Schüler könnten die monatlichen Gebühren von 370 Euro an der „Neuen Schauspielschule“ sein. Tamara und Shaun erklären: „Wir bekommen Bafög. Außerdem jobben die meisten von uns nebenbei.“
Abgesehen davon müssen die angehenden Schauspieltalente mit vollem Herzen bei der Sache sein. „Es ist richtig harte Arbeit“, sagt Taufik. „Die Schüler müssen mitmachen und am Ball bleiben.“ Zusammen mit Klaus Mallwitz will er jungen Menschen eine Chance bieten: „Wir wollen den Jugendlichen, die vom Schauspielern träumen, die Möglichkeit geben, ihren Traum zu verwirklichen.“

ALESSANDRA BRÜCHNER

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