Beruf mit Zukunft: Pfleger mit Bachelor PDF Drucken

Florian und Eva-Maria fahren in der Berufsausbildung zweigleisig: Die beiden absolvieren ein duales Studium. So lernen sie ihren künftigen Beruf in der Klinik, in der Berufsfachschule und als Studierende im Hörsaal kennen.  Foto: Hans-Joachim WincklerBerufsfachschule und Hochschule wechseln ab

Mit Nachnamen heißt sie Schwarzer – aber im Job steckt sie von Kopf bis Fuß in Weiß: Eva-Maria lernt Kinderkrankenpflegerin. Für die Ausbildung besucht sie die Berufsfachschule für Krankenpflege und lernt den Berufsalltag in Praxisphasen am Fürther Klinikum kennen.

Zusätzlich ist die 21-Jährige Studentin an der Evangelischen Hochschule in Nürnberg. Dort absolviert sie den Studiengang Pflege-Dual, den sie nach viereinhalb Jahren mit dem akademischen Grad Bachelor of Science abschließen wird. So vereint Evi ein akademisches Studium mit der beruflichen Ausbildung.

Nach dem Abitur hatte Evi ein freiwilliges soziales Jahr im Altdorfer Wichernhaus geleistet, einem Internat für behinderte Kinder. „Die Pflege hat mir viel Spaß gemacht“, erinnert sich die Studentin. Eigentlich wollte sie anschließend Pflegemanagement studieren, scheute dann aber die Kombination aus dreijähriger Ausbildung in einem Pflegeberuf und anschließendem vierjährigem Studium. „Ich war mir nicht sicher, ob ich mich nach der Ausbildung noch zum Studium aufgerafft hätte.“

Der Pflege-Dual-Studiengang ermöglicht die Verknüpfung von Jobpraxis und wissenschaftlichem Hintergrund: Während der dreijährigen Ausbildung zur Kinderkrankenpflegerin wechseln sich eineinhalbwöchige Studienblöcke mit vierwöchigen Schul- und Praxisphasen ab. Im Ausbildungsplan zeigen bunte Farben an, ob gerade Schule, Arbeit auf einer Station oder Studium ansteht.

„Ich war zum Glück noch nie zur falschen Zeit im falschen Kurs“, sagt Evis Kommilitone Florian Leinberger. Der 24-Jährige hat sich nach dem Fachabi an der FOS und zwei Jahren als Sanitätssoldat bei der Bundeswehr für das Pflege-Dual-Studium entschieden. Genau wie Evi hängt er an die dreijährige Pfleger-Ausbildung mit Studienblöcken eineinhalb Jahre Vollzeit-Studium dran.

„Pflege basiert heute hauptsächlich auf Erfahrung, aber kaum auf wissenschaftlicher Analyse“, findet Florian. Genau das soll sich durch die Absolventen des Kombi-Studiengangs ändern. „Unsere Studierenden lernen nicht für einen Schreibtisch-Job“, sagt Studiengangsleiterin Prof. Christine Brendebach. „Wir bieten eine Qualifizierung für die praktische Arbeit mit Patienten und gleichzeitig bereits in der Ausbildung eine Perspektive auf Akademisierung.“

Florian und Eva-Maria fahren in der Berufsausbildung zweigleisig: Die beiden absolvieren ein duales Studium. So lernen sie ihren künftigen Beruf in der Klinik, in der Berufsfachschule und als Studierende im Hörsaal kennen. Foto: Günter DistlerWährend im Unterricht an der Berufsfachschule Grundlagen der Pflege, Anatomie oder Recht im Gesundheitswesen auf dem Stundenplan stehen, geht es im Studium an der Hochschule um Ethik, wissenschaftliches Arbeiten und Management-Grundlagen.

„Wir haben einen anderen Blick“, sagt Prof. Brendebach, „es geht darum, sein Handeln in der Pflegepraxis zu bewerten, Grenzen zu erkennen und über die reine Pflege hinaus zu agieren.“ So lernen die Studierenden beispielsweise in Pädagogik-Modulen, wie man mit Patienten und Angehörigen Beratungsgespräche führt oder Patienten auf die Entlassung nach Hause vorbereitet.

Gerade für Gymnasiasten und FOSler werde der Pflegeberuf durch die Akademisierung attraktiv, bekräftigt Studiengangschefin Brendebach. „Bislang wurden Abiturienten belächelt, wenn sie sich für die Pflege-Ausbildung entschieden.“ Brendebach ist „optimistisch, dass sich die Arbeitswelt in der Pflege in den nächsten ein, zwei Jahren rasant wandeln wird“. Sie sieht ihre Absolventen als „Pioniere“, die den Wandel mitgestalten.

„Durch den akademischen Abschluss wird zum Beispiel auch ein Einsatz im Ausland leichter möglich“, erklärt die Professorin. In vielen Ländern, etwa in den USA, wird die klassische deutsche Pflegeausbildung nämlich nicht anerkannt.

Gut 700 Euro verdienen Evi und Florian jetzt im zweiten Ausbildungsjahr. Ihr Arbeitgeber, das Fürther Klinikum, übernimmt zudem die 392 Euro Studiengebühren pro Semester. Evi und Florian sind sicher, dass sie mit ihrer Berufswahl richtig liegen. „Wenn Leute das Krankenhaus gesund verlassen, dann weiß ich: Dafür lohnt es sich zu arbeiten“, sagt Florian. Evi weiß längst, dass ihr Beruf auch hart ist, etwa wenn ein wenige Tage altes Baby stirbt. Sie genießt vor allem die Direktheit ihrer kleinen Patienten: „Kinder sind sehr ehrlich. Sie sagen, was sie doof finden, zeigen dir aber auch, wenn sie dich mögen.“

KRISTINA BANASCH
 

Pro Jahr werden 30 Studierende im Studiengang Pflege-Dual an der evangelischen Hochschule Nürnberg zugelassen. Voraussetzung für einen Studienplatz ist ein Ausbildungsplatz an einer der kooperierenden Berufsfachschulen für Krankenpflege. Diese treffen die Auswahl für Studienkandidaten. Infos auf www.evhn.de/fb_pm_sg_bpd.html
Ausführliche Infos über duale Studiengänge gibt’s auf den Seiten des Bundesinstituts für Berufsbildung www.ausbildungplus.de

 

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