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Was bekommen die Gäste für ihr Geld?
Über 2000 Tanzbegeisterte durfte Uni-Rektor Prof. Karl-Dieter Grüske dieses Jahr zum Winterball der Uni Erlangen-Nürnberg und der Nürnberger Hochschulen in der Meistersingerhalle begrüßen. Der Eintrittspreis von 15 Euro ist für Studenten einigermaßen erschwinglich. Aber was wird dafür geboten? Um das herauszufinden, haben sich die Politik- und Buchwissenschaftsstudentin Katerina (21) und der Jura-Student Patrick (23) unter die festliche Menge gemischt und den Winterball unter Gesichtspunkten wie Tanz, Klamotten, Verpflegung und Showprogramm gecheckt. Die Fotos dazu hat die Design-Studentin Anne-Sophie Hußler (23) geschossen.
VIPs:
Katerina: Das Promiaufgebot war beim Winterball eher mau. Neben dem Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly, der sich mal eben für ein flottes Tänzchen aufs Parkett entführen ließ, konnte ich keinen der Anwesenden als VIP enttarnen. Gerade deshalb hinterließ der Bürgermeister bei mir einen bleibenden Eindruck. Denn er war auch für einen kurzen Plausch mit uns Studenten zu haben.
Patrick: Als Jurastudent wird einem stetig bewusst gemacht, wie wichtig Beziehungen zu führenden Köpfen aus Politik und Wirtschaft sind. Und so versucht man sich auf gesellschaftlichen Veranstaltungen ein bisschen unters Volk zu mischen. Das Ziel: Visitenkarten austauschen und lehrreiche Gespräche mit erfahrenen Fachleuten führen.
Das Problem ist nur, dass diese für Studenten oft nicht leicht zu identifizieren sind. Da wünscht man sich, dass die lokale Politik- und Wirtschaftsprominenz Rang und Namen gleich auf der Stirn stehen hat. Eine Wunschvorstellung verzweifelter Studenten! Ich werde mich nächstes Jahr besser vorbereiten. Und zwar indem ich die betreffenden VIPs vorher google und so ahnungslose Situationen vermeide.
Kulinarisches:
Katerina: Ich arbeite neben dem Studium als Köchin im eigenen Restaurant. Meine Ansprüche an das Essen auf dem Winterball waren aber nicht höher, als die der anderen Studenten.
Und tatsächlich sahen die angebotenen Speisen super lecker und frisch aus. Auch kam immer eine erstaunlich große Portion auf die Teller der hungrigen Ballgäste.
Das Problem waren nur die Preise. „Die verlangen tatsächlich für eine Portion Pasta neun Euro“, entrüstet sich Judith (18). „Und das ist noch das Billigste. Das ist für uns viel zu teuer! Mit Eintrittskarte, Parkgebühr und Garderobe liegen wir eh schon bei zwanzig Euro pro Nase.“ Mit ihrer Meinung stand die Geographiestudentin nicht alleine da.
Alle befragten Studenten fanden die Preise für das Essen zu hoch. Hungern mussten wir letztendlich aber doch nicht. Denn Judith hatte noch einen tollen Tipp für uns parat: Einfach Salzstangen und Nüsse aus den kleinen Schälchen in der Studenten-Lounge futtern.
Das macht zwar nicht richtig satt, hilft aber gegen akutes Magengrummeln...
Patrick: Für mich war die Auswahl an Essen das eigentliche Problem. Es gab nur einen Biergarten-ähnlichen Stand mit Sauerkraut, Klößen und Braten und einen mit Pasta.
Ich hätte mir gewünscht, dass das Angebot mehr auf Studenten abgestimmt ist. Zum Beispiel mit einem Snack-Stand, um den kleinen Hunger zwischendurch zu stillen. Natürlich mit erschwinglichen Essens- und Getränkepreisen.
Denn drei Euro für 200 Milliliter Cola sind einfach zu viel. Schön war aber, dass man in der Studenten-Lounge Cocktails für fünf Euro bekommen hat. Das ist ein fairer Preis – und so mussten wir Studenten auch nicht auf dem Trockenen sitzen!
Mode:
Patrick: Ich arbeite neben dem Studium in der Anzugabteilung eines renommierten Modehauses. Deshalb fällt mir die Abendmode der Ballbesucher immer als Erstes ins Auge. Dieses Jahr fand ich die Kleiderwahl sehr zurückhaltend, klassisch und oft auch etwas altbacken.
Selbst Studenten trauten sich nicht viel und setzten meist auf schwere, bodenlange Roben. Das schönste Abendkleid war für mich das der Biologiestudentin Ina (21). Denn obwohl es klassisch geschnitten war, setzte sie auf farbliche Kontraste und glitzernde Pailletten, die ihr Styling auflockerten. Das auffällige Dekolleté und der freie Rücken waren zusätzliche Hingucker.
Bei den Herren ist es schon schwieriger, sich aus der Menge herauszuheben. Die meisten setzten auf klassische Garderobe: Es wimmelte auf dem Winterball nur so von dunklen Anzügen mit Fliege. Gerade deshalb stach mir Stefan (19) sofort ins Auge. Der Elektrotechnik-Student setzte auf auffallend hohe Haartolle und lag auch mit seiner extravaganten Nerd-Brille voll im Trend. Ein weiterer Pluspunkt: Accessoires, wie etwa seine Fliege, stimmte er farblich auf das Kleid seiner Begleiterin ab.
Katerina: Mir gefielen fast alle Ballkleider gut. Egal, ob kurz und knallig oder lang und elegant. Aber vor allem bei der Wahl ihres Schuhwerks gaben sich die anwesenden Damen offenbar dieses Jahr besonders viel Mühe.
Viele peppten ihr einfaches Outfit mit ausgefallenen Schuhen auf und verliehen ihm so das gewisse Extra – so wie Davina (19). Mit ihrem kurzen, hochgeschlossenen Kleid, den angesagten Strümpfen aus heller Spitze und ihren schwarzen, berüschten High-Heels stach sie sofort aus der Menge der Ballbesucher heraus. Für mich der beste Auftritt des Abends!
Tanz und Showprogramm:
Katerina: Im großen Saal heizte das Gloria-Reuter-Sextett der tanzenden Menge ein. Nach etwa einer Stunde war aber klar: Der Saal wurde hauptsächlich von der älteren Tanzriege bevorzugt, während sich die jüngeren Gäste im Foyer tummelten. In der neu eingerichteten Studenten-Lounge war bis kurz vor Mitternacht tote Hose (Foto ganz rechts).
Ob es am kleinen Raum, dem Teppichboden, der muffeligen Nebelmaschine oder dem sitzenden DJ lag? Hier gingen die Meinungen auseinander. Um 23 Uhr war das schon wieder egal. Denn da drängten alle in den großen Saal, um den Auftritt der zwei Pole-Artistinnen zu sehen. Was ich anfangs noch als „Strippen im Ballkleid“ belächelte, wurde für mich der Höhepunkt des Abends. Denn die Akrobatik der deutschen Meisterinnen war einfach beeindruckend!
Patrick: Obwohl ich kein großer Tänzer bin, war ich richtig baff, als die Tanzturnierpaare des TSC Rot-Gold-Casino Nürnberg das Parkett stürmten. Ihre synchronen Tanzeinlagen und leuchtenden Kostüme sahen von den oberen Rängen imposant aus. Auch die Studenten-Lounge fand ich super. Warum? Weil dort nicht getanzt wurde! Die Lounge war ein Ort mitten im Tanzgetümmel, wo man bei netten Gesprächen mit Kommilitonen neue Kontakte knüpfen konnte.
FAZIT:
Zu mäkeln gibt es natürlich immer etwas. Trotzdem können wir Studenten über die etwas altmodische Atmosphäre des Winterballs nicht hinwegsehen. Verwundert hat uns auch, dass wir nicht einen einzigen Professor ausfindig machen konnten. Deshalb hatten wir das Gefühl, dass der Ball hauptsächlich für Nicht-Studierende ausgerichtet wurde. Das geht wohl auch nicht anders, wenn kaum Studenten erscheinen! Im kommenden Jahr sollten die Veranstalter mehr Werbung an den Hochschulen machen. Die Studenten-Lounge ist ein guter Schritt in die richtige Richtung.
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