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Beim Business-Wettbewerb haben Studenten die Aufgabe, mit fünf Euro Startkapital ihre Erfindungen erfolgreich zu vermarkten
Fünf Euro, fünf Köpfe, eine Idee: Beim Business-Wettbewerb in der Metropolregion Nürnberg errangen in diesem Jahr jene den 1. Preis, die ihr Projekt selbst als undurchführbar eingeschätzt hatten. Die Jury sah das eben anders. Und staunte ob der Ideen, aus denen alle zehn Teams innerhalb weniger Wochen Geld gemacht hatten.
Wozu viele Worte verschwenden, wenn es eine kurze Demonstration auch tut: Schweigend erheben sich zwei junge Männer auf der Bühne im Erlanger Schloss. Sie blicken sich tief in die Augen, getrennt sind sie durch einen Tisch mit zwei Suppenschalen darauf. Die Oberkörper neigen sich aufeinander zu, die Hände nähern sich zum Vertragsabschluss — und schon muss der eine zurückspringen.
Ist doch seine Krawatte in die Suppe gerutscht. Der andere lächelt, hält doch seine Krawatte fest am Leib. Obwohl auch er keine Krawattennadel trägt, die seinem Outfit gleich einen leicht altväterlichen Touch verliehen hätte.
Mit der Idee eines Krawattenmagneten, der in dezentem Streifen zwischen Hemd und Schlips geheftet wird, hat das Team klipit die Jury überzeugt. Denn die Konstruktion ist kostengünstig und einfach herzustellen. Als Kunden kommen große Warenhausketten genauso in Frage wie – dank der ansehnlichen Verpackung – auch Museumsshops oder Geschenkeläden.Das Team war davon weniger überzeugt: zu aufwendig zu produzieren, zu zeitraubend zu vermarkten, so die Befürchtungen. Umso erstaunter die Blicke, als sich bei der Begründung von Jury-Mitglied Matthias Schilling von der Sparkasse Nürnberg herauskristallisierte, dass sie, tatsächlich sie, bei der Laudatio gemeint waren, denen die 800 Euro Preisgeld und die Ehre des Gewinns zugesprochen wurden.
Die Zweifel waren zumindest in einer Hinsicht berechtigt: Die Konkurrenz, die sich dem praxisorientierten Wettbewerb stellte, war stark. Alle Teams hatten knapp zehn Wochen Zeit, um eine Idee zu entwickeln und umzusetzen. Heißt: ein Produkt zu produzieren, bei potenziellen Kunden Klinken putzen, fürs Marketing sorgen und dabei noch das Budget im Blick behalten. Dass das finanzielle Polster beim Startguthaben von fünf Euro freilich nicht weit reicht, mussten besonders jene erfahren, die in Vorkasse hätten gehen müssen, um ihre Idee zu realisieren.
Wie etwa das Team von Veggie Guide, das ein Gutscheinbuch für Vegetarier auf den Markt bringen wollte. Die 800 Euro, die eine Druckerei veranschlagte, waren nicht das einzige Problem. Auch, dass es etwa in Nürnberg nur vier rein fleischlose Restaurants gibt, erschwerte das Vorhaben. Michael Tretter, Andrej Saizew und Nikolai Tschischke halten dennoch an der Idee fest. Womöglich werden sie versuchen, gemischte Restaurants mit ins Programm aufzunehmen, die auch vegetarische Gerichte bieten.
Ebenfalls an ihrer Idee festhalten wollen Sven Hofman, David Mathy und Daniel Tumovec von studiChek. Sie wollen eine App fürs Smartphone entwickeln, die dem Studenten auf einen Blick im Uni-Alltag hilft. Wo geht’s zur Bibliothek, wann findet die nächste Lerngruppe statt und was gibt es heute in der Mensa zu essen? Bislang ist die Idee an der Kooperationsbereitschaft der Hochschulen gescheitert.
Schon in der Projektphase erfolgreich zeigte sich dagegen die Idee von Aquatiser. Andrij Tkachuk, Lukas Tajak, Stefan Engerer und Dominik Engelmann, alle Studenten der Georg-Simon-Ohm-Hochschule, erzielten einen Gewinn von 205 Euro und gewannen Kunden wie die Deutsche Bahn oder Schaeffler für ihre Idee. Wie? Mit einem Grundbedürfnis des Menschen in den Zeiten zwischen den Vorlesungen und einem Grundbedürfnis der Wirtschaft in Zeiten des demographischen Wandels. Sie bauten eine Konstruktion, die einen Wasserspender um eine Art kleiner Litfasssäule erweitert.
Die Fläche verkauften sie an Unternehmen, die darauf per Stellenanzeige für sich werben konnten. Die kostenlose Erfrischung lockte dagegen jene, die dem Fachkräftemangel in den Firmen begegnen sollten. Diesen Einfall würdigte die Jury, die ihrer Entscheidung den Geschäftsbericht, die Gestaltung des Präsentationsstandes und die Darstellung des Teams in Interview und Bühnenvortrag zugrunde legte, mit dem mit 400 Euro dotierten Platz 3.
Unter dem Namen Bookcycling errangen Mathias Steigerwald, Adam Spychala, Christopher Plachki und Yared Teclehaimanot den 2. Platz beim Wettbewerb. Ihre Idee ist simpel. Nahezu jeder hat Dutzende von Fachbüchern aus Schule oder Uni zu Hause, nahezu jeder hat schon gezuckt, wenn er für die nächste Prüfung wieder einen Haufen Bücher kaufen musste, den er danach zu den anderen zum kollektiven Staubfang legt. Das Team will an Schulen und Hochschulen Sammelstellen für alte Bücher einrichten, die Interessenten sich für wenig Geld abholen oder schicken lassen können. Der Clou ist die Finanzierung des Projekts. Über 700 Euro haben die Jungs mit Flyern verdient, auf denen sie geschickt Werbung samt Gutscheinen für Firmen druckten.
3-D war gestern, zweieinhalb-D ist heute: Stephan Ulrich, Florian Windolf, Rainer Rubenbauer, Peter Steiner und Jonathan Ebert haben sich vorgenommen, das Fernsehen im Wohnzimmer zu revolutionieren. Mit ihrer patentierten Erfindung einer Sehschlitzbrille nimmt das gewöhnliche TV-Bild räumliche Form an. Und das für nur fünf Euro. Zwar hat das Team nur 38 Euro Gewinn gemacht, das war aber vor allem der Anfangsinvestition geschuldet. Die Erfinder sind sicher: Ihre Idee hat Zukunft. Schließlich sparen sie sich auf ihrem Vertriebsweg lange Verhandlungen, da sie besonders in Videotheken ihr Produkt platzieren. Dort steht der Chef meist selbst an der Kasse und kann den Daumen senken oder heben. „Und meist“, sagen die Jungs grinsend, „hat er den Daumen gehoben.“
Geschickt seinen Studentenstatus ausgenutzt hat das Team von unimark. Mit der Idee, originelle Werbekarten mit flotten Sprüchen und Bildern zu versehen, die junge Leute ansprechen, nahm es in der Projektphase 243 Euro ein. Eine Idee, die sich auch nach Beendigung des Projekts weiterzuverfolgen lohnt, da sind sich Max Engelhardt, Luca Friedl, Chris Gartol und Patrick Guckert einig.
Den Großen Konkurrenz machen, das ist der Plan von Kathrin Geck und Martin Ebner vom Team MeinVerein.TV. Mit nur fünf Euro Startkapital konnten sie Bundesliga-Fans zwar bisher noch nicht das Spiel ihrer Lieblingsmannschaft zum kleinen Preis auf den heimischen Fernseher liefern. Allerdings sind beide sich sicher, dass ihre Idee Potenzial hat.
Als Mittler zwischen einem Anbieter im Ausland und dem Kunden auf dem deutschen Sofa wollen sie möglich machen, dass dieser für sechs bis zehn Euro sein privates Fan-Paket erwerben kann – und nur sieht, was er sehen will. Eine Hürde beim Business-Wettbewerb sei allerdings gewesen, dass man extrem von der Resonanz der angeschriebenen Anbieter abhängig gewesen sei.
Von wegen, versoffene Zeit ist verlorene Zeit: Die Idee, die Chris Kaisler, Leopold Pullmann, Florian Pickel und Artur Sommerfeld bei einem schalen Bier zu fortgeschrittener Stunde kam, hat es in sich. Im doppelten Sinn. Schales Bier? Das war das Ausgangsproblem, das zur Initialzündung wurde. Um dem abgestandenen Gerstensaft Leben einzuhauchen, steckte ihn die Truppe unter einen ausrangierten Sodamax. Und siehe da, das Bier schmeckte wie frisch gezapft. Damit war der Pioniergeist der Truppe geweckt. Diverse Alkoholika wurden zum Sprudeln gebracht, eine Mischung aus Wodka, Limettensaft und Zucker (Genaueres wird nicht verraten) machte das Rennen. Unter dem Namen Diamond Drinks füllte das Team ihr Getränk ab — und erwirtschaftete rund 88 Euro.
Produkte schick verpacken und sie so noch attraktiver machen. Das ist der Grundgedanke, der der Geschäftsidee des Teams Flexxbag zugrunde liegt. Anna Domascan, Adelheid Klein, Olga Dashkevich, Asim Riaz und Arvid Buch hatten dabei besonders den sozialen Aspekt im Auge und starteten ihr Projekt gemeinsam mit der Regens-Wagner-Stiftung. Mit jungen Kreativen entwarfen sie Filztaschen, mit denen die Stiftung auf Weihnachtsmärkten zum Beispiel Weinflaschen besser verkaufen konnte. Selbst hier packte das Team mit an. Bei klirrender Kälte spieltes es dort das Verkaufspersonal, nicht minder groß war der Einsatz vor der Jury. Im gleichen Look zeigte das Team, was es drauf hat. Und auch wenn es am Ende nicht aufs Siegertreppchen gereicht hat: Flexxbag will weitermachen.
NiCOLE NETTER
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