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Experten aus ganz Deutschland kommen am Wochenende in Erlangen zu einem Strategie-Treffen zusammen
Wissenschaftliche Sammlungen kommen in Mode – diese Beobachtungen hat Udo Andraschke, der zuständige Beauftragte (Kustos) der Uni Erlangen-Nürnberg, in den vergangenen Jahren zunehmend gemacht. Vor diesem Hintergrund organisiert er mit Kollegen am Wochenende eine Fachtagung, zu der mehr als 100 Experten und Interessierte aus ganz Deutschland erwartet werden.
Herr Andraschke, woran lässt sich ablesen, dass das Interesse vieler Unis an ihren ererbten wissenschaftlichen Schätzen zugenommen hat?
Udo Andraschke: Etwa seit dem Jahr 2000 sind immer mehr universitäre wissenschaftliche Sammlungen erschlossen und der Öffentlichkeit zum Teil auch neu präsentiert worden. Eine ganze Reihe von Universitäten hat erkannt, dass ihre Sammlungen über allerhand Potenzial verfügen – auch für unsere heutige Wissensgesellschaft. Vergangenes Jahr hat zudem der Wissenschaftsrat, das wichtigste Beratungsgremium von Bund und Ländern im Bereich Forschung und Lehre, Alarm geschlagen und recht bemerkenswerte Empfehlungen zu den wissenschaftlichen Sammlungen ausgesprochen.
Was sind die wesentlichen Inhalte dieser Empfehlungen?
Andraschke: Der Wissenschaftsrat hat sehr klar formuliert, dass Sammlungen keine lästigen Anhängsel irgendwelcher Institute sind, als die sie vielerorts immer noch betrachtet werden. Vielmehr wurden ihr Erhalt, ihre Pflege und ihre Bereitstellung für Forschung und Lehre als notwendige infrastrukturelle Daueraufgaben definiert. Das bedeutet wiederum, dass die Sammlungen über eine angemessene Grundfinanzierung abgesichert sein müssen.
Gibt es schon irgendwelche Fortschritte aufgrund dieses Appells?
ndraschke: Die Empfehlungen sorgen jedenfalls für einigen Rückenwind. Es bewegt sich etwas in der Sammlungslandschaft – in Erlangen sogar sehr viel. Zum Glück hatten die hiesigen Sammlungen schon vor dem Appell der Wissenschaftsrates mit Uni-Kanzler Thomas Schöck einen starken Verbündeten. Zudem gab es bereits zwei bundesweite Tagungen, auf denen sich die Verantwortlichen für wissenschaftliche Sammlungen austauschen konnten. Das hier in Erlangen ist jetzt das dritte Treffen dieser Art.
Was ist der Zweck dieser Tagungen?
Andraschke: Wir wollen Erfahrungen und Wissen austauschen sowie Strategien entwickeln, um die Sammlungen zu erhalten und sie in neue Forschungs- und Funktionszusammenhänge zu rücken. Ziel ist es, den einzelnen Sammlungsbeauftragten und jeweiligen Universitätsleitungen Standards und Werkzeuge an die Hand zu geben, wie sie ihre Sammlungen pflegen und weiter entwickeln sollten. Wir müssen der Aufbruchsstimmung sichtbare Schritte folgen lassen.
Auf welchen Themenfeldern sehen Sie vordringlichen Gesprächs- beziehungsweise Handlungsbedarf?
Andraschke: Wir beginnen bei den Dingen selbst. Jedes Objekt, das man aufbewahren möchte, bedarf der regelmäßigen Pflege, die sehr unterschiedlich sein kann. Die finanziellen Mittel sind vielerorts äußerst knapp bemessen, eine wirkliche kustodiale Fachkenntnis über den Umgang mit den Sammlungsdingen fehlt oft ebenfalls. Universitäten sind keine Museen. Wie sichern und bewahren wir also unsere Sammlungen? Eine weitere Sektion widmet sich der „Erfassung und Erschließung“: Eine Sammlung kann nur dann sinnvoll aufbewahrt und vor allem genutzt werden, wenn es ein Verzeichnis aller ihrer Objekte gibt. Das klingt trivialer als es ist.
Und was sind die anderen beiden Punkte?
Andraschke: Dabei geht es um die Bedeutung von Sammlungen für Forschung und Lehre einerseits und um ihre Wirkung in der breiten Öffentlichkeit andererseits. Die interne Bindung von Sammlungen an die Universität gelingt umso besser, je mehr Sammlungsobjekte in Lehrveranstaltungen zum Einsatz kommen. Mit externen Interaktionen erfüllt die Universität ihren Bildungsauftrag, Wissen und Wissenschaft auf verständliche und attraktive Weise zu vermitteln. Unsere Objekte eignen sich ganz hervorragend dazu. Im Wettbewerb um öffentliche Aufmerksamkeit ist das keineswegs zu unterschätzen.
Wie viele solche wissenschaftlicher Sammlungen hat eigentlich die FAU?
Andraschke: Es sind je nach Zählweise etwa 20, von der Anatomie über die Geologie und Botanik bis zur Zoologie ist nahezu jedes klassische Fach dabei. Und auch einige unklassische, wie die Schulgeschichtliche Sammlung mit ihren Spickzetteln. Oder die Graphische Sammlung als eine der bedeutendsten dieser Art in Europa.
Und wie ist deren Zustand?
Andraschke: Gemischt. Es gibt Sammlungen wie die Antikensammlung, die bestens gepflegt werden, und auch regelmäßig fürs Publikum geöffnet sind. Und es gibt andere, die in Kisten, Schubladen und Schränken vor sich hindämmern. Unser Ziel muss es sein, das zu ändern. Universitätssammlungen sind keine Mausoleen, wir müssen sie als lebendige Werkstätten und Laboratorien begreifen
Interview: LOTHAR HOJA
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