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altIm Erlanger Bachelor-Studiengang Maschinenbau gibt es das Pflichtfach „konstruktive Projektarbeit“

Die einen knobeln Hubsysteme für Kameras aus, damit man auch in 20 Metern Höhe scharfe Fotos schießen kann. Andere tüfteln aus, wie sie die Miniaturlager in Zahnarztbohrern überprüfen können. Bei der „konstruktiven Projektarbeit“ lernen Erlanger Maschinenbau-Studenten, eine konkrete industrienahe Aufgabe zu lösen.

 

„Sie sind Mitglied eines kleinen Projektteams in einem Ingenieurbüro, das eine anspruchsvolle Entwicklungsaufgabe lösen muss. Ihr Auftraggeber ist ein internationaler Konzern, der<....“ Was sich liest wie eine Ausschreibung, ist in Wirklichkeit ein Auftrag an Erlanger Studenten. In der letzten Phase des sechssemestrigen Bachelor-Studiums in Maschinenbau haben sie eine „konstruktive Projektarbeit“, kurz KoPra, als Pflichtfach. 

„In unserem Fach ist die universitäre Ausbildung längst nicht mehr theorielastig“, sagt Prof. Sandro Wartzack, Inhaber des Erlanger Lehrstuhls für Konstruktionstechnik. „Mit KoPra haben wir eine neuartige Ausbildungsvariante eingeführt.“ Dabei dürfen mehrere, miteinander konkurrierende studentische Teams eine praxisnahe Aufgabenstellung aus der Industrie über vier Monate hinweg bearbeiten. Am Ende steht eine Präsentation der erreichten Ergebnisse.

Eine besonders pfiffige Idee hatte in diesem Wintersemester das Team „eMotion“, bestehend aus Sebastian Staub, Christoph Ordner, Nina Meller, Josef Rehberger, Vincent Sessner und Linus Weberbeck . Zusammen Ina-Schaeffler, einem der größten Zulieferer der Automobilindustrie, sollten die sechs Mitglieder einen Aspekt der Antriebstechnik für Elektro-Autos bearbeiten. Die konkrete Teilaufgabe bestand darin, das Drehmoment des Motors auf die einzeln aufgehängten Räder zu übertragen.

Die gravierendsten Einschränkungen in der E-Auto-Konstruktion kommen von den noch sehr großen Batterien. Sie sind in der Regel zwischen den Hinterrädern platziert. Die geforderte Konstruktion sollte also sehr platzsparend sein, zudem leicht, nicht zu komplex und vor allem preiswert — keine einfache Aufgabe.

„Zu Beginn wussten wir überhaupt nicht, wohin das Ganze führt“, erklärt Teamleiterin Nina,, „doch diese Unsicherheit wich schnell dem Spaß daran, eine eigene Lösung zu finden.“ Dazu kam: „Die Unterstützung und Präsenz unseres Industriepartners war für uns alle ein Ansporn, auch schwierige Projektphasen zu bewältigen.“ Zuerst probierten es die Studierenden mit Lego-Technik.Am Ende stand ein „zweiachsiges Webergetriebe modifiziert auf Zahnriemenantrieb“, erläutert Vincent.

Um das teamorientierte Arbeiten zu unterstützen, haben wir zwei neue Projekthäuser in Betrieb genommen“, sagt Prof. Wartzack. Das sind geräumige, helle Büros, die wie moderne Ingenieurbüros ausgestattet sind — mit höhenverstellbaren Tischen, absperrbaren Rollcontainern, leistungsfähigen Notebooks einschließlich modernster Software und Videoprojektoren.

In sogenannten eingebetteten Seminare erlernen die Studierenden neben fachlichen auch methodische und persönliche Fähigkeiten. Das Seminarangebot reicht von Simulationstechniken, Entwicklungsmethoden und Projektmanagement bis zu Rhetorik und Interkultureller Kompetenz.

Für das Thema Elektroantrieb hatten sich in diesem Semester fünf KoPra-Teams entschieden. Für fünf weitere lautete die Aufgabe: Schwingungsreduktion bei Bohrhämmern. Industriepartner dabei war die Firma Hilti aus Liechtenstein, unangefochtene Nr. 1 bei Handwerkern.

Ein Team nahm die starken Schwingungsschläge der Maschinen als gegeben und entwickelte eine Schulterstütze, die wie ein Stoßdämpfer wirken soll. Die Mehrheit jedoch wollte das Problem an der Wurzel packen und konstruierte sogenannte Schwingungstilgersysteme. Die bewegen sich entgegen dem Takt der auslösenden Schwingung und kompensieren so die unerwünschten Stöße. „Vergleichbare Praxisprojekte gibt es nur an wenigen deutschen Hochschulen“, lobte der Hilti-Vertreter Michael Wierer nach den Präsentationen.

Und Lehrstuhlchef Wartzack hofft, dass die Studierenden die bei KoPra gemachten Erfahrungen im anschließenden Master-Studium anwenden. Denn den „Master machen bei uns an der Uni 99 Prozent der Bachelor-Absolventen“, sagt Warzak. „Ich denke, die wollen sich möglichst hoch qualifizieren und auf diese Weise klar von den Bachelor-Absolventen anderer Hochschultypen differenzieren.“

OTTMAR KÖGEL

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