Die Wahl für Bachelor: Job oder Master PDF Drucken

Agnieszka Gruschka ging sofort nach dem Bachelor in die Industrie. Thomas Hölzlwimmer will den Master machen.  Foto: Stefan HippelIm Fach Verfahrenstechnik an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg sind beide Fraktionen ungefähr gleich groß

Probleme beim Übergang vom Diplom (FH) zum Bachelor (ohne Unterscheidung zur Uni)? „Bei uns nicht“, sagen die Professoren Eberhard Franz und Tillmann Botsch von der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg. Und in ihrem Fach, der Verfahrenstechnik, schon gleich gar nicht.

 

Dabei ist wichtig zu wissen: Früher, zu Diplomzeiten, dauerte ein Ingenieur-Studium am „Ohm“ – wie an den meisten Fachhochschulen – acht Semester, einschließlich zweier Praxissemester. Heutzutage für den Bachelor-Abschluss sind es sieben Semester .

„Wir haben einfach eines der beiden Praxissemester gestrichen“, erklärt Prof. Franz. „Das war insofern kein Problem, als die meisten unserer Studenten sowie schon eine Berufsausbildung und ein Abitur an der BOS haben. Oder sie waren an der FOS, wo es auch Praxisphasen gibt“.

Wer es böse meint, könnte jetzt von Etikettenschwindel reden: Auf’s frühere Diplomstudium wurde schlicht das neue Label „Bachelor“ draufgeklebt. Franz und Bötsch sehen das natürlich ganz anders: „Wir haben eine jahrzehntelang bewährte Ausbildung im wesentlichen beibehalten und zeitgemäß leicht modifiziert.“ Mit diesem Argument konnten sie recht erfolgreich gegen die „weitverbreitete Diplom-Denke in den Unternehmen“ angehen.

Der entscheidende Unterschied zu früher: Jetzt können frisch gebackene Bachelor noch einen Master-Studium dranhängen — wenn sie wollen. Oder sie gehen mit ihrem „ersten berufsbegleitenden Abschluss“ gleich in die Industrie. „Etwa 50:50“ schätzt Franz den Anteil der beiden Fraktionen in seinem Fach Verfahrenstechnik.

Thomas Hölzlwimmer (26) zum Beispiel hat sich nach dem Bachelor Abschluss für das Master-Modell entschieden. „Jetzt bin ich schon soweit gekommen“, sagt der gelernte Chemie-Schlosser, der über die BOS ans Ohm kam“, jetzt will ich den Weg an der Hochschule auch zu Ende gehen“.

Weitere drei Semester dauert das Master-Studium, zwei davon an der Hochschule und eines in einem Unternehmen. Thomas verbringt diese Praxisphase bei der Firma Wacker in Burghausen. Seine Masterarbeit dort ist es, eine bestimmte Apparatur zu verbessern, in der zwei Flüssigkeiten voneinander getrennt werden. „Ich komme ja aus der chemischen Industrie, das ist genau das Richtige für mich“, sagt Thomas.

In den zwei Master-Semestern am Ohm hat er in ausgewählten Fächern die theoretischen Grundlagen aus dem Bachelor-Studium vertieft. Unter anderem in Mathe. „Das war zum Teil schon sehr, sehr speziell. Aber jetzt hilft es mir, die konkrete Aufgabenstellung in einem Unternehmen zu lösen.“

Thomas’ Kommilitonin Agnieszka Gruschka hat sich entschieden, die Sache mit dem Master vorerst mal aufzuschieben. „Später vielleicht“, sagt sie „wenn ich einige Jahre in der Industrie gearbeitet habe.“
Agnieszka hat sich dafür entschieden, gleich nach dem Bachelor-Abschluss in ein Unternehmen zu gehen. Und zwar zum Kraftwerkshersteller EnviCon, bei dem sie bereits die Bachelor-Arbeit gemacht hat und von der sie während des Studiums mit einem Förder-Stipendium in Höhe von 2500 Euro unterstützt wurde.

„Ich möchte das Gelernte jetzt in die Praxis umsetzen und mein Wissen an konkreten Projekten vertiefen“, begründet Agnieszka, warum sie nicht länger an der Hochschule bleiben mochte. In ihrem Job hat sie zur Zeit die Aufgabe, ein Programm für die Simulation einer Anlage zu schreiben, in der Flüssigkeiten kondensieren sollen.

„Die möglichen Einsatzgebiete für unsere Absolventen sind sehr breit gefächert“, erklärt Prof. Franz, „die Verfahrenstechnik ist der Weg vom Rohstoff zu Produkt“: Aus Kaffeebohnen wird ein lösliches Pulver, aus Rüben wird Zucker. Aus Erdöl wird Benzin für die Tanksäule, aus Kohle wird Strom aus der Steckdose – alles dank der Verfahrenstechnik.

Kaum verwunderlich, dass Studenten dieses Fachs praktisch schon mit dem Studienstart einen Job in der Tasche haben. „Die Berufschancen für unsere Absolventen sind exzellent, sagt Franz. Egal, ob sie „nur“ Bachelor machen oder den Master draufsetzen. „Interessanterweise“, meint Franz, „sind es oft unsere Besten, die gleich nach dem Bachelor in die Industrie gehen“.

 LOTHAR HOJA 

 

 

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