Dürer bringt Spaß in Geschichte PDF Drucken

altSchüler des Melanchthon-Gymnasiums führten an die Wirkungsstätten des Künstlers

 Schule mal anders: In ihrem Geschichtsseminar haben sieben angehende Abiturienten des Melanchthon- Gymnasiums in Nürnberg den Spieß umgedreht und selbst Wissen vermittelt. Auf Dürers Spuren führten sie ihren Seminarleiter, Eltern und Mitschüler an die Wirkungsstätten des Künstlers und starten damit in ein geschichtsträchtiges Jahr: das Dürer-Jahr.

Annika Essigkrug ist noch Schülerin und geht in die 12. Klasse des Melanchthon-Gymnasiums. An diesem Samstagvormittag aber gibt sie die Reiseleiterin. Zusammen mit sechs Mitschülerinnen und -schülern führt sie eine kleine Gruppe auf Dürers Spuren an die Orte, die mit dem Leben und Wirken des berühmten Künstlers zusammenhängen – und bekommt dafür eine Note.

Denn der Rundgang ist Inhalt eines Projekt-Seminars im Fach Geschichte. Start ist am Unschlittplatz. Über die Stationen Maxplatz, Sebalduskirche, Rathaus und Dürer-Denkmal (am einstigen Wohnhaus und jetzigen Dürer-Museum) geht es zum Tiergärtnertor.

Mehr als ein Maler

In Zusammenarbeit mit dem Albrecht-Dürer-Haus haben die Schüler historische Quellen ausgewertet, das Konzept des Rundgangs und ihre Vorträge selbst entwickelt. Neben den Klassenkameraden und ein paar Eltern hat sich auch Lehrer André Kaiser unter die Teilnehmer gemischt.
„Gedanken um eine gute Zensur braucht sich aber keiner mehr zu machen“, sagt er. Schließlich sei der größte Teil der Arbeit mit der Vorbereitung schon geleistet worden. Es gehe nur noch um Feinheiten.

„Albrecht Dürer wollte mehr sein als ein Maler.“ Als Schülerin Annika diesen Satz sagt, nickt ihr Lehrer zufrieden. Der im Jahr 1471 geborene Sohn eines aus Ungarn eingewanderten Goldschmieds ging zunächst bei seinem Vater in die einfache Handwerker-Lehre. Erst später wurde er für seine Kupferstiche und Holzschnitte berühmt.
Bis zu seinem Tod im Jahr 1528 führte Dürer in der aufblühenden Reichsstadt Nürnberg, die auf dem Handelsweg zwischen Prag und Venedig lag, als Mann der priviligierten Oberschicht ein unbeschwertes Leben. Er durfte sich sogar Ratsherr nennen.

Schon von Geburt an zur Oberschicht gehörte Dürers engster Freund Willibald Pirckheimer. Er ging als Sohn eines Anwalts auf das Melanchthon-Gymnasium und war sogar Berater des Deutschen Kaisers Maximilians I.. Seit 1821, so berichtet nun Annikas Mitschülerin Janina Huschke, steht auf dem Maxplatz nahe des Hauptmarktes der Dürer-Pirckheimer-Brunnen als Andenken an die beiden.

Mit 24 Jahren also lernte Dürer den ein Jahr älteren, gebildeteren Pirckheimer kennen und diskutierte mit ihm spätabends über den Sinn des Lebens. Dürers Ehefrau Agnes, die der Künstler 1494 nach seiner traditionellen Wanderschaft als Handwerker in der Sebalduskirche heiratete, erklärt Janina, soll nicht besonders glücklich über die vielen Treffen der beiden Freunde gewesen sein.

Die beiden Herren sahen das anders. Pirckheimer brachte Dürer die Gedanken des Humanismus näher, die auf der Philosophie der alten Griechen aufbauten. Der Mensch hat einen freien Geist, so die Grundüberzeugung, soll sich aus den Klauen der katholischen Kirche befreien und gestalterisch verwirklichen können.
Dürer interessierte sich fortan besonders für die Astronomie und die Mathematik, brachte beispielsweise mit dem Zirkel in seinem bekannten Bild „Melancolia I“ die Symbole der fortschrittlichen Denkweise in seine Werke ein. „Pirckheimer bezahlte auch eine Reise Dürers nach Italien, dem Zentrum der damaligen Renaissance-Kunst.“

Alle Fakten parat

Souverän hat Janina die Fakten auf ihrer Station des Rundgangs parat. „Ein bisschen nervös war ich am Anfang schon“, sagt sie hinterher. Ob sie sich wohl vorstellen kann, Geschichte als Abiturfach zu belegen? „Nein. Ich habe andere Lieblingsfächer – und mich schon für Religion entschieden“, antwortet sie.

Dafür hätte sie Lust, die Führung für externe Besucher noch öfter anzubieten. So geht es auch ihren Mitstreitern Annika Essigkrug, Larissa Schneider, Frederic Steinmann, Hanna Bethcke, Grigori Kalinski und Max Bisch, der den eineinhalbstündigen Rundgang im Dürer-Haus mit einer interessanten Anekdote beendet: Auf dem berühmten Aquarellbild, das den Dürer-Hasen zeigt, sind zum ersten Mal die Buchstaben A und D für Dürers Initialen zu finden. Das spätere Markenzeichen des Künstlers, es war eine Form der modernen Produktvermarktung.

„Das Beste am Seminar ist, dass ich mit meinem Wissen über Dürer und einige Plätze in Nürnberg auch selbst spannende Geschichten erzählen kann“, sagt Max und gesteht: „Vorher wusste ich fast nichts über Dürer.“ „Außer, dass er ein berühmter Maler aus Nürnberg war“, stimmt ihm Mitschülerin Hanna zu.
Ob den Schülern in Zukunft nur Freunde, oder tatsächlich einmal Touristen zuhören, ist noch offen. Thomas Schauerte, der Leiter des Dürer-Hauses, könnte den Rundgang in sein Programm des Dürer-Jahres aufnehmen. Gespannt warten die Schüler auf seinen Anruf.

KEVIN GUDD

 

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