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Schüler des Hardenberg-Gymnasiums in Fürth veranstalten Poetry-Slam und stellen verfilmte Gedichte vor
Poesie ist spannend! Diese Erfahrung machten acht angehende Abiturienten aus Fürth in dem Seminar „Inszenierte Poesie“. Sie verfilmten eigene Gedichtinterpretationen und organisierten einen Poetry-Slam.
Spontan kommt Tögi Batbayar der Aufforderung nach, und gibt eine Kostprobe seines selbst geschriebenen Gedichtes. Er trägt es wie einen Rap vor und bewegt dazu seine Arme. Seine Mitschüler bewundern den angehenden Abiturienten schon allein wegen seines Mutes. Erfahrung im Texten hat Tögi nahezu keine. Genau wie die anderen sieben Kursteilnehmer, die sich im Frühjahr 2011 am Hardenberg-Gymnasium in Fürth für das P-Seminar „Inszenierte Poesie“ eingetragen haben.
Andere Angebote mit Titeln wie „Glück“ oder „Stadtrundgang in Fürth“ reizten Tögi und die anderen nicht. „Das Thema Poesie und Gedichte einmal von einer weniger spießigen Seite anzugehen, hat mich interessiert“, sagt er. „Wie im Theater können Textstücke lebendig gemacht werden.“ Doch mit welchen Inhalten sich die Schüler im Seminar genau beschäftigen sollten, war bereits die erste schwierige Aufgabe. Geschenkt gibt’s hier nichts, schließlich zählt die Seminarnote im Abizeugnis genauso viel wie zwei Halbjahre Mathe.
Fünf-Minuten-Gedicht
Während Tögi sich als Einziger daran machte, einen eigenen Text zu schreiben, kam den übrigen Jugendlichen eine andere Idee: Inszenierte Poesie lässt sich auch in einem Film ausdrücken. Deutsch-Lehrer Christian Albrecht hatte mit dem Tipp, sich eine bestimmte Internetseite anzuschauen, den entscheidenden Anstoß gegeben. Danach stand fest: Die Kursteilnehmer versuchen sich alleine oder in Zweier-Gruppen daran, ein Gedicht in einem kurzen, maximal fünfminütigen Videoclip zu verfilmen.
Dafür lernten die Zwölftklässler in einem Film-Workshop einige Grundlagen der Kameraführung. Außerdem machten sie sich mit der Schneidetechnik am Computer vertraut. Etwa zwei Monate später sollten alle Kurzfilme im Kasten sein. Kamera und Co. organisierten sich die Gruppen teils von den Eltern und mit Unterstützung eines Jugendhauses. „Die Aufgabe war, das jeweilige Gedicht auf seine Art zu interpretieren und nicht die Handlung zu verfilmen“, erklärt Hannah Riemann. Sie interessierte sich für das Seminar, weil sie nach dem Abi Germanistik studieren möchte.
Einsamkeit und Hilflosigkeit spielten in Hannahs Gedicht eine zentrale Rolle. Um die im Film darzustellen, hatte sie die Idee, passende Sequenzen aus der eigenen Sammlung von Kindervideos zu verwenden. Mehr verrät sie nicht. Im Hintergrund wird der Gedichttext gesprochen. Einige Gruppen haben ihren Film noch mit Musik unterlegt.
Mit etwas Verspätung, die Lehrer Albrecht freundlicherweise gestattete, waren im Oktober 2011 alle Filme fertig. Nun mussten sich die Schüler überlegen, wem und wie sie ihre Ergebnisse präsentieren wollen. Sie entschieden sich dafür, im Januar in der Mensa des Gymnasiums nicht nur ihre Filme vorzuführen, sondern auch einen Poetry-Slam zu veranstalten. Das ist ein Wettbewerb, bei dem kurze, selbst geschriebene Texte vor einem Publikum vorgetragen werden. Die Zuschauer küren anschließend den Sieger.
Bekannte Slammer
Für den Abend mussten die Jugendlichen die Genehmigung beim Direktor einholen, die Technik besorgen, Getränke bestellen und vieles mehr. Darüber hinaus benötigten sie weitere Teilnehmer für ihren Poetry-Slam, denn aus der Schülergruppe geht nur Tögi an den Start.
Dafür rührten Hannah, Tögi, Jessica, Saskia, Roxana, Anastasia, Ande und Kenneth am Hardenberg-Gymnasium, bei ihren Freunden, im Internet über Facebook, und an anderen Fürther Schulen kräftig die Werbetrommel. Mit Erfolg. Sechs Interessenten wollen ihre Texte vorstellen, die alle „richtig gut sind“, wie Kenneth, selbst ernannter Chef der Jury, bestätigt.
Außerdem geben sich mit Türkmen und Bibercap zwei bekannte Slammer aus der Szene die Ehre. „Die werden dem Publikum so richtig einheizen“, verspricht Hannah. Wer sich dadurch vor Ort durch die Auftritte inspiriert fühlt, kann auch noch spontan in den Wettbewerb einsteigen. Zwischendurch sorgen mit DJ Neon Monkey und HipHopper Jimmy Hardcore zwei weitere, am Hardenberg-Gymnasium bekannte Nachwuchskräfte für Unterhaltung.
Nach dem monatelangen Aufwand freuen sich die Schüler jetzt auf den Abend. „Eine bestimmte Besucherzahl haben wir nicht angepeilt. Es soll Spaß machen“, finden alle.
KEVIN GUDD
Die Poesie-Party steigt am 20. Januar, 18 Uhr, in der Mensa des Hardenberg- Gymnasiums in Fürth, Kaiserstraße 92.
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