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Studenten der Ökologischen Landwirtschaft informieren Schüler über ihre Arbeit
Alles Bio, oder was? Nicht ganz! Hinter dem ökologischen Landbau steckt viel mehr als nur ein Biosiegel. Studenten der Universität Kassel haben mit der Ökolandbau-Tour Schulen in der Region besucht und den Schülern ihre Arbeit nähergebracht.
Auf den Tischen liegen Brotschnittchen mit orangefarbenem, rotem und weißem Aufstrich. „Mmh, lecker“, lautet die ironische Feststellung einer Schülerin der 11. Klasse des Nürnberger Peter-Vischer-Gymnasiums, als sie den Raum betritt. Neben den Broten stehen die verschiedenen Bio-Aufstriche der Sorten Tomate und Zwiebelschmalz, die Bio-Marmelade mit Erdbeer-Vanille-Geschmack sowie kleine Schokoladentafeln, natürlich auch Bio.
Zur Einstimmung dürfen die Schüler, die in Gruppen an den Tischen sitzen, die Häppchen probieren. Und? Wie schmeckt’s? „Gut“, muss die Schülerin ihren ersten Eindruck revidieren. Sogar so gut, dass der Teller vom Nachbartisch gleich mitgefuttert wird.
Die Studentin Julia Neder von der Uni Kassel möchte dann auch gleich wissen, woran die Schüler die Bio-Produkte erkennen und kommt auf die verschiedenen Siegel zu sprechen. Das grüne Bild mit dem Blatt aus Sternen ist das europäische Bio-Siegel, das deutsche ist eckig mit grünem Rand. Dann zeigt sie noch das Ecovin-Bio-Siegel für Weine und das Naturland-Zeichen. Letzteres gehört übrigens „zu einem Verband aus Bauernhöfen, die sich noch strengeren Richtlinien unterwerfen“, erklärt die 27-Jährige, deren Eltern in Franken einen Hof haben.
Rotklee mit kleinen Punkten
Als nächstes dürfen die Schüler Roggen- und Rotkleepflanzen untersuchen. Referentin Julia kommt es hier vor allem darauf an, dass die Gymnasiasten die Unterschiede feststellen. „Rotklee hat eine Haupt- und viele Seitenwurzeln, Roggen ein Wurzelgewirr“, stellt Sascha fest. Bei genauerem Hinsehen finden die Schüler beim Rotklee kleine Punkte – und erkennen auch, wofür diese da sind. „Für die Symbiose mit anderen Lebewesen“, weiß Sascha. Und genau das ist der Punkt, auf den Studentin Julia hinauswill.
Pflanzen benötigen für ihre Ernährung und das Wachstum zahlreiche Nähr- und Mineralstoffe. Ein wichtiger ist Stickstoff, der sich in der Luft befindet. Die Pflanzen können diesen lebensnotwendigen Stoff allerdings nicht über die Luft aufnehmen. Das können nur Mikroorganismen wie Bakterien. Sie wandeln den Stickstoff in Aminosäuren um. Nun kommt der Rotklee wieder ins Spiel. Dieser geht über seine Wurzeln eine Symbiose, ein Zusammenleben, mit Bakterien ein und erhält dadurch die wichtigen Stoffe. Für was das gut ist?
Die Ökolandbauern bauen Klee an und lassen diesen verrotten. Der Stickstoff in den Wurzeln bleibt für Folgekulturen wie Getreide im Boden erhalten. Diesen Kreislauf nennt man in der Fachsprache auch biologische Stickstofffixierung durch Leguminosen. Leguminosen sind zum Beispiel Klee, Bohnen oder Erdnüsse. Weil diese Pflanzen eiweißreiche Samen bilden, eignen sie sich auch als hochwertige Nahrungs- und Futtermittel.
In der ökologischen Landwirtschaft wird also die Bodenfruchtbarkeit über natürliche Produkte gesteigert. Konventionelle Bauern benutzen Dünger. Problematisch wird es da, wenn der Regen ausbleibt. „Stellt euch vor, ihr esst einen ganzen Löffel Salz“, erklärt Julia. Danach braucht ihr viel Wasser – wenn dieses fehlt, wächst die Pflanze nicht richtig und bekommt Stress.
Die Bio-Richtlinien verbieten allerdings Dünger und Pflanzenschutzmittel. „Und wie ist es beim Fleisch?“, fragt eine Schülerin hinsichtlich des Antiobiotika-Skandals in der Hühnerzucht. Julia zeigt ein Bild der konventionellen Haltung – Huhn an Huhn auf engem Raum – und der ökologischen. Das sieht aus wie im Bilderbuch, ein paar Hühner, die auf einer saftigen Wiese herumhüpfen. „Wir dürfen nur so viele Hühner halten, wie wir auch Futtermittel selbst für diese herstellen können“, erklärt die Studentin, deren Vortrag die Schüler beeindruckt und rege Diskussionen aufwirft. Zwei Elftklässler können sich ein Studium in diese Richtung sogar gut vorstellen.
STEFANIE GOEBEL
Infos zum Studium gibt’s unter www.uni-kassel.de/agrar
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