Die Mädels löten wie die Profis PDF Drucken

Die jungen Damen löten einen Ultraschall-Abstandswarner für Rollstühle. Foto: BöhnerBeim 5. Erlanger Forscherinnen-Camp wurde eine Einparkhilfe angefertigt

Arbeiten in den Herbstferien? Für die 14 Teilnehmerinnen des 5. Erlanger Forscherinnen-Camps stellte sich diese Frage nicht: Eine Woche lang bekamen die jungen Damen ein Rundum-Sorglospaket in Sachen Ingenieur-Studium, durften an der Uni Vorlesungen hören und bei Siemens ein Ultraschall-Projekt stemmen.

Technische Berufe, eine Männerdomäne – ist das noch immer so? Oder: Warum dürfen beim Forscherinnen-Camp nur Mädchen mitmachen? Schnell entbrennt ein nettes Streitgespräch unter den Betreuern: „Bayern braucht mehr Ingenieurinnen!“ – „Aber das ist in den letzten Jahren doch schon viel besser geworden.“ – „Trotzdem: Zwölf Prozent Frauenanteil in den Ingenieur-Berufen ist immer noch zu wenig“ – „Wir brauchen überhaupt mehr Ingenieure, da ist das Geschlecht doch erst mal egal...“

Die 14 Teilnehmerinnen des Erlanger Forscherinnen-Camps ficht die Geschlechter-Diskussion der Erwachsenen nicht an. Die jungen Damen im Siemens-Ausbildungscenter haben alle Hände voll zu tun, ihren Forscherinnen-Auftrag zu erfüllen. Es geht darum, eine Einparkhilfe für einen Rollstuhl zu bauen: Ähnlich wie beim Auto sollen Piepgeräusche signalisieren, wie viel Platz noch nach hinten und zur Seite ist.

Dafür bekamen die Schülerinnen eine Vorlesung an der Uni und einen Rundgang durch das Ultraschall-Labor spendiert. Jetzt folgt die technische Umsetzung: Aus fertig verpackten Bausätzen lötet jede der 15- bis 18-Jährigen einen Ultraschall-Abstandswarner für die Abschlusspräsentation. Dann gilt es, die Empfindlichkeit der Sensoren auszutesten, ab welcher Größe sie auf einen Gegenstand reagieren und wo genau sie am Rollstuhl angebracht werden müssen, damit sein Fahrer tatsächlich Augen im Rücken hat. Dafür sind den Mädchen Tutoren zur Seite gestellt: Studentinnen, die nicht viel älter sind als die Camp-Teilnehmerinnen, jedoch schon Maschinenbau, Elektrotechnik oder Mechatronik studieren und Fragen beantworten können.

Wie sieht ein Handbohrer aus?

„Es gibt da ein Problem“, meldet sich Carmen. „Die Vorbohrung auf der Platine passt nicht.“ Tatsächlich, ein Fehler, wie Siemens-Betreuer André Diehl mit kurzem kritischen Blick erkennt – und gleich mal einen Handbohrer holt. Der sieht wie alles aus, aber nicht so, wie man sich einen Handbohrer vorstellt. Wie benutzt man denn bitteschön so etwas? „Das versuche ich auch gerade rauszukriegen“, lacht Carmen. Wenig später hat die 18-Jährige ein schickes Löchlein in ihrer Platine, auf die der Aufstecker nun perfekt passt.

Überhaupt: Ein Traum, wie hier im Labor fröhlich aufgelötet wird. Wahrscheinlich hat die Hälfte der Forscherinnen schon mit 13 zu Hause den Staubsauger auseinandergebaut und leistungstechnisch ein wenig aufgebohrt... Pauline schüttelt den Kopf: Sie hatte bei einem Schnupperpraktikum in Schweinfurt kürzlich zum ersten Mal einen Lötkolben in der Hand.
Doch schon jetzt setzt sie ihre Lötpunkte mit ruhiger, konzentrierter Hand, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Einen Tisch weiter wird derweil über ganz andere Probleme gerätselt: Plus oder Minus – wohin muss die Anode? Die Mädels stecken die Köpfe zusammen, die Bilder auf dem Bauplan weisen den Weg.

Teamwork und der Forscher-Aspekt sind den Veranstaltern wichtig: Probleme erkennen und selbstständig lösen. „Für die Mädels ist das eine sehr stressige Woche“, sagt Tessa Zeis, die die Gruppe als Trainerin begleitet. Die Mädels fahren jeden Tag vom Landhotel nach Erlangen, wo ein straffes Programm wartet, wie ein Besuch im Klettergarten, Interviewrunden, ein Tag an der Uni oder der Praxisteil in den Firmen.

STEFAN GNAD

 

Die 15- bis 18-Jährigen müssen nur für die An- und Abreise aufkommen – den Rest zahlt das Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft, inklusive Schoki. Die Chancen, für eines der bayernweit acht Camps genommen zu werden, sind gut. Allerdings richtet sich das Angebot nur an Gymnasiastinnen und Fachoberschülerinnen ab 15 Jahren. Infos und Anmeldung auf www.tezba.de 

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